Brustkrebs – Meine Geschichte Teil 10

Konfetti des Lebens

Sicher fragst du dich, was das Titelbild mit diesem Beitrag zu tun haben mag. Ich habe es beim „therapeutischen Malen“ in der Kurklinik gemalt. Ganz intuitiv, ohne nachzudenken. Das ist ja auch der Sinn des therapeutischen Malens. Hinterher gab ich dem Bild den Namen „Konfetti des Lebens“. Auch ganz intuitiv und ohne nachzudenken. Konfetti macht Spaß, Konfetti ist bunt und so ist auch das Leben.

Anschlussheilbehandlung, ein Weg zurück ins Leben

Ich bin seit fünf Tagen wieder zu Hause. Die Anschlussheilbehandlung hat drei Wochen gedauert und eine Verlängerung war nicht nötig. Die Tage wurden für mich durchgetacktet mit Laufband, Gerätetraining, Yoga, Wirbelsäulengymnastik, Walken und Gleichgewichtstraining. Irgendwas habe ich bestimmt noch vergessen. Ach ja, Mamma-Gruppe. Du fragst dich sicher, was das ist. Mamma kommt von Mammakarzinom, also Brustkrebs. Es werden in dieser Gruppe bestimmte Übungen für den Brustbereich gemacht, damit der Arm besser beweglich und die Narbe geschmeidiger wird. Die Hand- und die Fuß-Gruppe habe ich noch vergessen und die Armwechselbäder. Diese drei Therapieanwendungen sollten gegen die Polyneuropathie sein.

An alles wurde für mich gedacht. Um was musste ich mich eigentlich kümmern? Nur, dass ich keinen Termin vergaß. Morgens um 6.45 Uhr klingelte der Wecker. Die Uhr war mein ständiger Begleiter, die mich immer daran erinnerte. Was manchmal auch schon in Stress ausartete. Und an den Mund- und Nasenschutz musste ich denken. Wie oft bin ich aus dem Zimmer gelaufen ohne. Dann begegnete mir jemand auf dem Flur oder im Treppenhaus und ich habe wieder kehrtgemacht. Wenn ich Pech hatte, musste ich wieder zwei Treppen hoch. Aber es half ja nichts. Wir haben nun mal gerade keine einfache Zeit. Bei der Therapie, mit entsprechendem Abstand, konnten wir den Mund-Nasen-Schutz abnehmen.

Nach eineinhalb Wochen merkte ich schon, wie es mir langsam besser ging. Ausdauer und Kraft kamen wieder. Ich konnte zwar noch keine Bäume ausreißen, aber immerhin. Das Laufband wurde langsam mein Freund, was ich vorher nicht für möglich gehalten hätte. Der Geräteraum war klein im Verhältnis zu einem Fitnessstudio und es durften nur fünf Personen rein für 30 Minuten plus Therapeutin. Dann kamen die Nächsten. Mit der Zeit kannte man sich und wenn die richtigen Leute beisammen waren, dann wurde viel geflaxt und gelacht. Das Walken im Freien, gegenüber der Klinik im Park, war natürlich noch viel besser. Irgendwann war beim Training bei mir der Punkt erreicht, dass sich in meinen Beinen ein Automatismus einstellte und ich einfach immer nur laufen konnte.

Was ich sehr schön fand, das war das Zwischenmenschliche. Ich habe niemanden getroffen, der zickig, mürrisch oder unfreundlich war. Niemanden vom Personal, keine Ärztin oder Arzt, keine Therapeutin oder Therapeut. Von den Gästen konnte man nicht immer strahlende Laune erwarten, dafür hatte jeder sein Päckchen zu tragen. Manch einer sogar ein ganzes Paket. Aber ich habe wunderbare Menschen kennengelernt. Danke an Kristin, meine Tischnachbarin. Mit ihr habe ich eine schöne Zeit verbracht und dass nicht nur bei den Mahlzeiten, sondern auch in der Freizeit. Hallo Anita, wir haben uns leider viel zu spät kennengelernt, aber die paar Stunden haben Spaß gemacht. Vera aus Braunschweig, vielleicht sehen wir uns ja bei der nächsten Lachyoga-Stunde. Und dann gibt es da noch ganz viele Menschen, mit denen man sich nur einen Satz oder ein Lächeln zugeworfen hat, und es hat einfach nur gut getan. Am Tag der Abreise (und es reisten viele ab), kam ich mir vor wie beim Abschied in einem Schullandheim. Jeder rief jedem noch ein „tschüss“ zu und „bleib gesund“. Und dabei wollte ich drei Wochen vorher gar nicht bleiben.

Und nun? Ein großes ?

Leben nach Brustkrebs

Ich bin wieder zu Hause. Ist alles wieder gut? Habe ich jetzt alles hinter mir? Ist alles wieder wie vorher? Manch einer in meiner Umgebung glaubt das. „Dann machst du noch die OP, die Bestrahlung und die Reha und dann hast du alles hinter dir.“ Das war die Aussage einer Frau nach meiner Chemo. Jetzt habe ich also alles hinter mir. Und? Es kann und wird nicht alles wieder so sein wie vorher. Dazu muss ich mich nur im Spiegel anschauen. Einen Spiegel brauche ich gar nicht, ich muss nur morgens beim Anziehen und abends beim Ausziehen an mir runterschauen. Dann werde ich tagtäglich daran erinnert. Ich habe nur noch eine Brust. Ich muss in nächster Zeit alle drei Monate zur Nachsorge. Das wird vorher schon schlaflose Nächte bringen. Ich muss 5 Jahre lang eine Antihormontherapie machen, die Nebenwirkungen hat.

Brustkrebs ist nie ganz vorbei. Krebs ist nie ganz vorbei.

Und trotzdem lasse ich mich davon nicht unterkriegen. Ich habe Dinge vor, die noch nicht spruchreif sind. Vielleicht falle ich damit auf die Nase, aber wenn ich es nicht probiere, weiß ich ja nicht, ob es nicht vielleicht doch klappt.

Noch ein Wort zu „Meiner Geschichte“. Der Behandlungsplan ist abgeschlossen. „Meine Geschichte“ wird es so in regelmäßiger Form nicht mehr geben. Sicher wird es irgendwann noch mal das ein oder andere Thema dazu geben, zu dem ich dann was zu sagen habe. Ich hoffe, dass ich einigen Leserinnen damit etwas Mut machen konnte, die in der gleichen Situation sind oder waren. Brustkrebs ist SCHEISSE. Sorry, ich sage es mal auf diese Weise ganz krass, aber wenn er früh genug erkannt wird, ist er behandelbar. Also taste dich ab, jeden Monat und geh regelmäßig zur Vorsorge- bzw. Früherkennungsuntersuchung.

In diesem Sinne, pass gut auf dich auf, bleib gesund und danke, dass du mich auf diesem Weg begleitet hast.

Liebe Grüße

Gudrun

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Liebe Gudrun,
    Du bist ein positiver Mensch – soweit ich das sehe. Das hat Dir geholfen, diese üble Geschichte hinter Dich zu bringen und das wird Dir ein schönes Leben ermöglichen. Auf Deine Pläne bin ich gespannt.
    ‚Konfette des Lebens‘ – perfekter Titel für Dein Bild. Übrigens auch ein klasse Buchcover;)
    Liebe Grüße
    Nicole

    1. Gudrun

      Liebe Nicole,
      ja, positiv habe ich in der Zeit immer gedacht, auch wenn zwischendurch immer wieder ein Durchhänger war. Aber wer will einem das verdenken in der Situation.
      Ich grüße dich ganz herzlich
      Gudrun

  2. gertrud carey

    Liebe Gudrun
    Du hast soviel geschafft, und soviel erreicht in den vergangenen Monaten. Wie offen und klar Du darüber berichtet hast, finde ich ganz grossartig. Das „Konfetti des Lebens – Bild“ ist ein richtiges KRAFTBILD! Diese wunderbaren Farben passen doch zu „leben, lieben, lachen“. Ich bin gespannt über Deine neuen Pläne, und wünsche Dir viel Mut und Freude weiterhin.
    Herzliche Grüsse
    gertrud carey

    1. Gudrun

      Liebe Gertrud,
      vielen Dank für deine guten Wünschen. Ja, als Kraftbild habe ich „Konfetti des Lebens“ auch gesehen und deshalb werde ich es rahmen und bei mir ins Büro hängen. Die Pläne sind bei mir im Kopf, aber erst muss ich noch etwas fertigstellen und dann mal schauen. Ich bin selbst ganz gespannt.
      Ich wünsche dir eine schöne Zeit.
      Liebe Grüße
      Gudrun

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