#herzmädchen – Selbstliebe, Kampfgeist, Leben

Dieser Beitrag sollte eigentlich schon letzten Samstag  zum Weltkrebstag erscheinen, leider hat mir die Technik da einen Streich gespielt. Aber nun läuft alles wieder.

Weltkrebstag 2022

Letzten Freitag, am 4.2.2022, war der 22. Weltkrebstag. In diesem Jahr stand der Tag unter dem Motto „Versorgungslücken schließen“. Wenn du dich noch genauer informieren möchtest, dann kannst du auf der Seite der Deutschen Krebshilfe nachschauen.

Warum ich heute über Krebs schreibe? Über Krebs muss gesprochen werden. Immer wieder und nicht nur am Weltkrebstag. Krebs muss aus der Tabuecke herausgeholt werden. In dieser Woche war Krebs auch immer wieder Thema auf verschiedenen Fernsehkanälen in Form von Spielfilmen oder Berichterstattungen.

Es ist ein emotionales und sensibles Thema, aber es gehört in vielen Familien zum Alltag dazu. Seit meiner Diagnose im September 2019 auch in meiner Familie.

Für alle, die an Krebs erkrankt sind ist es nicht nur DIESE Krankheit, sondern auch noch Corona. Zu den Untersuchungen und Besprechungen müssen die Betroffenen  alleine gehen. Eine Begleitperson darf nicht mit in die Praxis oder ins Krankenhaus. Dabei ist das so wichtig, eine Vertrauensperson dabei zu haben. Jemand, der oder die tröstend die Hand hält und vor allen Dingen hören vier Ohren mehr wie zwei.

Krankenkassen haben festgestellt, dass deutlich weniger Vorsorgeuntersuchungen wahrgenommen werden. Die Menschen haben Angst, sich in einem Wartezimmer mit Corona anzustecken. Wie viel Krebserkrankungen werden dadurch nicht oder erst in ein paar Monaten festgestellt. Vielleicht zu spät? Operationen und Untersuchungen werden verschoben.

Und da kommt dann die Zeit ins Spiel. Krebspatienten machen sich schon Gedanken um die Zeit. Wie viel Zeit bleibt mir noch. Habe ich noch genug Zeit. Wenn jetzt eine Behandlung oder Untersuchung nach hinten geschoben wird, was bedeutet das für mich an gesundheitlicher Zeit.

Ich möchte dir vom #herzmaedchen erzählen. Es ist eine traurige und doch auch Mut machende Geschichte. Es geht um #selbstliebe, #kampfgeist und #leben

Mama, Frau, Tochter und Schwester

Tamara war eine junge Frau, noch keine dreißig Jahre alt, verheiratet, hatte zwei Jungs, hat gemodelt. Sie war Mama, Frau, Tochter und Schwester. Die Welt war in Ordnung. Bis sie ihre Diagnose Krebs bekam, da war sie mit ihrem dritten Kind schwanger. Leberzellenkrebs. Im September 2020 ist sie nach drei Jahren Krankheit und Therapien gestorben. Auf Instagram hatte sie einen Account, auf dem sie ihre Follower an ihrem Leben teilhaben ließ.

Zwischen den Therapien entwarf Tamara ein Schmuckstück. Es entstand die Herzmädchenkette. Sie steht für #selbstliebe, #kampfgeist und #leben. Es ist bewundernswert, dass sie mit der Krankheit und mit den Therapien dazu fähig war. Ihr Gedanke war, dass das Schmuckstück in die Produktion gehen und der Erlös aus dem Verkauf an Einrichtungen und Vereine gehen sollte, die wiederum andere Menschen unterstützen. Die Kette wurde tatsächlich produziert und die Nachfrage war riesengroß. Tamara hat den Erfolg ihrer Herzmädchenkette noch miterlebt.

Nach dem Tod von Tamara sollte es keine weitere Herzmädchenkette geben. Die Nachfrage war aber so groß, dass sich die Familie entschloss, die Kette noch einmal produzieren zu lassen. Es kam eine bemerkenswerte Summe zusammen. Der Betrag ging zu gleichen Teilen an ein Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche und an einen Hospizverein.

Auch ich habe eine Herzmädchenkette und trage sie mit Bewunderung für eine Frau, die in einer überaus schweren Situation noch die Kraft hatte, an andere zu denken. Tamara wohnte nicht weit entfernt von mir. Ich habe sie nicht persönlich gekannt, aber ich habe ihren Instagram-Account verfolgt. Auch der Vater hat seine Gedanken und die Liebe zu seiner Tochter auf seinem Account gezeigt. Ich war tief berührt.

Manchmal fragt man sich, warum. Aber man findet keine Antwort. Es kommen Gedanken wie, das Leben ist nicht gerecht. Und ja, das Leben ist nicht gerecht. Solche Gedanken schiebe ich immer ganz schnell von mir und ich bin dankbar und genieße jeden Tag.

Viele Menschen überleben heute schon eine Krebserkrankung mit mehr oder weniger Nebenwirkungen, aber viele schaffen es auch nicht. Die Forschung geht immer weiter und hoffentlich wird irgendwann einmal ein Medikament, ein Mittel gefunden, das diese Sch…krankheit (vielleicht) besiegen kann.

Liebe Grüße

Gudrun

Bildnachweis: Titelbild von Teyssier Gwenaelle

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16 Antworten

  1. Sehr berührend Gudrun!
    Und danke für die Erinnerung, denn im alltäglichen ‚Mist‘ vergisst man wirkliche gerne mal über den eigenen Tellerrand zu blicken und wie wichtig die Gesundheit ist. Selbst wenn man es am eigenen Leib erfahren hat…
    Ein schönes Wochenende für Dich.

    1. Hallo Nicole, ja, manchmal müssen auch solche Themen sein. So ist das Leben nun mal. Aber, wie sage ich immer: Das Leben ist bunt.
      Herzliche Grüße und eine schöne Zeit
      Gudrun

  2. Die Geschichte von Tamara geht einem wirklich ans Herz. Dass sie trotz der Krankheit die Kraft hatte, eine so tolle Aktion mit der Kette zu starten, ist bewundernswert.

    Ich hoffe, dass wir bald zur Normalität übergehen können und die Krankenhäuser den üblichen Ablauf wieder aufnehmen. Zur Vorsorgeuntersuchung war ich trotz Corona in jedem Jahr. Das ist so wichtig!

    Liebe Grüße Sabine

    1. Sabine, dass ist ganz wichtig, die Vorsorgeuntersuchungen. Die Praxen haben schon ein Konzept, wie sie ihre Patienten sicher behandeln und die Krankenhäuser sind ja auch ganz streng. Aber etwas Normalität für alle wäre schon schön. Ich finde, wir können uns nicht beklagen. Ich war mit meinem Mann am Mittwoch in einem Café. Hände desinfizieren, Maske bis zum Platz, Impfstatus kontrollieren – alles machbar.
      Ich wünsche dir eine schöne Zeit.
      Herzliche Grüße
      Gudrun

  3. Liebe Gudrun,
    ich finde Bewusstsein zu schärfen immer gut, wichtig und richtig. Danke, dass du das in einer derart einfühlsamen Weise machst.
    Mich berührt das sehr. Und es wird noch bedeutsamer, weil jeder deiner Leser weiß, dass du es (leider) ebenfalls erleben musstest.
    Darum ist es noch viel greifbarer.
    Und ja, das Leben ist nicht (immer) gerecht. Aber es sollte lebenswert bleiben und wir auch immer ein Stück Dankbarkeit in uns tragen.

    Liebe Grüße
    Nicole

  4. Liebe Gudrun, was für ein berührender und vor allem auch wichtiger Beitrag, der wieder den Blick auf das Wesentliche schärft. Eine tolle Idee, diese Herzmädchenkette und schön, dass die Familie dies in ihrem Andenken weiter fortgeführt hat. Ich kann nur erahnen, was es dich als Betroffene auch an Kraft gekostet hat, deine Krankheit durchzustehen und ich habe Hochachtung vor dir. Seit mein Bruder gleichzeitig mit dem ersten Lock-Down 2020 die Diagnose Speiseröhrenkrebs erhalten hat, ist dieses Thema auch in unserer Familie mehr präsent und Außenstehende können zwar mitfühlen, aber nie wirklich nachfühlen, was dies bedeutet.
    Hab einen wunderbaren Abend, genieße dein Leben und alles, alles Liebe Gesa

    1. Liebe Gesa,
      ich hoffe, deinem Bruder geht es besser. Nein, nachfühlen kann das keiner. Leider getrauen sich einige aus dem Umfeld auch nicht zu fragen. Wir haben einen tollen Nachbarn, der sich immer erkundigt hat und mir sogar Blumen mitgebracht hat. Viele können damit aber nicht umgehen. Ich wünsche euch alles erdenklich gute.
      Herzliche Grüße
      Gudrun

  5. Liebe Gudrun

    Danke für deinen berührenden Beitrag, und ja, er macht betroffen, auch in meiner Familie gab es diese Krankheit. Einer meiner Freunde hat lange gekämpft, und ist jetzt wieder gesund. Es ist gut, dass du darauf aufmerksam machst, dass wir darüber reden, und nicht wegschauen sollten. Ich denke das passiert, weil wir uns überfordert und ohnmächtig fühlen.
    Die Herzmädchen Kette die Tamara entworfen hat, ist wunderschön, ein Symbol für den Mut und die Kraft in einer schwierigen Zeit.

    Dir liebe Gudrun, und uns allen wünsche ich Gesundheit, Mut und Zuversicht. Sei lieb gegrüsst, gertrud

    1. Liebe Gertrud, wie schön für deinen Freund, dass er alles so gut gemeistert hat. Sicher haben wir auch Angst, nicht die richtigen Worte zu finden. Auch das musste ich erst lernen und leider kam ich Anfang des Jahres in die Situation und wusste nicht, was ich derjenigen als Trost sagen sollte. Manchmal reicht aber auch nur eine Umarmung.
      Herzliche Grüße
      Gudrun

  6. Wunderbarer Artikel, liebe Gudrun! Jedes Jahr im Oktober widme ich diesem Thema einen Artikel. Je mehr es in der Öffentlichkeit steht, desto mehr kann sich in Zukunft zum Positiven ändern.
    Krebs ist eine dieser Sachen, über die leider man sich erst Gedanken macht, wenn man selbst oder ein Angehöriger erkrankt, das heißt, wenn sie einen in irgendeiner Form betreffen. Deswegen, es ist nie zu viel, darüber zu reden.
    Liebe Grüße,
    Claudia

    1. Liebe Claudia, das Thema muss immer wieder raus in die Welt. Über
      Krebs muss gesprochen werden. Immer wieder. Ohne Angst, denn es kann jeden treffen. Schön, dass du auch so denkst.
      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
      Gudrun

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