Ein Jahr Rente – oder wie es mir mit der neuen Freiheit geht

Es ist nicht zu fassen. Ein Jahr in Rente. Meine Güte – wo ist die Zeit geblieben. Ganz oft höre ich von anderen:

Die Zeit rast   o d e r   Wo ist die Zeit geblieben   o d e r   Die Zeit läuft mir davon

Dabei ist Zeit doch eben Zeit. Zeit ist messbar. Eine Stunde ist eine Stunde, ein Tag ist ein Tag und ein Jahr ist ein Jahr. Da beißt keine Maus einen Faden ab.

Das persönliche Zeitgefühl

Es gibt Dinge im Leben, die machen wir überhaupt nicht gern, aber wir kommen nicht drum herum. Wir haben das Gefühl, wir werden   e.w.i.g.   nicht fertig und es    d.a.u.e.r.t. Gehen wir aber zum Beispiel in ein Konzert, auf das wir uns schon Wochen vorher gefreut haben und es ist dann auch so toll wie erwartet, dann schauen wir hinterher auf die Uhr und wir haben gar nicht gemerkt, wie die Zeit vergangen ist. Es hängt also davon ab was wir tun und mit wem wir es tun. Schuld ist auch die Routine, die Tagesabläufe sind gleich und es passiert nichts Neues mehr. Das ist das persönliche Zeitgefühl jedes einzelnen. In jedem Alter.

Meine Zeit

Ein Spruch war immer oder ist noch immer „Rentner haben nie Zeit“. Das habe ich früher immer belächelt. Aber soll ich Euch was sagen? Es stimmt. Was meint Ihr, wenn ich Euch meinen Terminkalender zeigen würde. Und das hat nichts damit zu tun, dass ich den so vollquetsche, weil mir sonst die Decke auf den Kopf fällt. Nein! Mich interessiert so viel. Ich möchte neue Erfahrungen und Eindrücke sammeln. Dinge tun, für die ich vorher keine Zeit hatte.

Ich habe immer wahnsinnig gerne gearbeitet und ich bin jeden Morgen gern zur Arbeit gefahren. Aber irgendwann muss mal gut sein. Wenn ich das Rentenalter erreicht habe und dann noch das Glück habe, dass meine Rente reicht, was will ich mehr.

Verunsericherung - Veränderung

In Rente gehen bedeutet aber auch, sich gut vorzubereiten, aus den alten Mustern auszubrechen und die Komfortzone zu verlassen. Es bedeutet von heute auf morgen einen anderen Tagesablauf. Ich werde im Beruf nicht mehr gefordert, habe nicht mehr den täglichen Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen und ich muss mich neu einrichten. Das passiert natürlich nicht von allein. Ich muss was dafür tun und erst einen, dann zwei und auch ganz viele Schritte vor die Tür setzen. Das wird manch einem im ersten Moment vielleicht nicht ganz leicht fallen, aber es geht. Es kommt niemand an die Haustür, klingelt und nimmt mich an die Hand, um mir zu zeigen wie es geht. Natürlich gibt es auch Verunsicherung, aber die steht immer am Anfang von Veränderung. Und machen wir uns nichts vor, auch eine Partnerschaft will oder muss neu geordnet werden. Da „hocken“ zwei Menschen auf einmal wieder tagtäglich beieinander, die vorher über 40 Jahre beruflich ihre eigenen Wege gegangen sind. So war es bei mir. Wir haben im Berufsleben mehr Zeit mit unseren Kolleginnen und Kollegen verbracht, wie mit unserem Partner. Da auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, das ist Arbeit.

Ich habe mir darüber früh meine Gedanken gemacht und mir war von vorn herein kar, dass ich nach meiner Berufstätigkeit noch ganz viel machen möchte. Es war ein Abnabelungsprozess vom Arbeitsleben, der fast drei Jahre vorher schon begann und mir war von Anfang an klar, dass es der richtige Zeitpunkt war.

Wenn ich altes loslasse, öffnen sich neue Türen

Ich habe in diesem Jahr mit meinem Mann Reisen gemacht. Lange Reisen und kurze.

Ich gehe 2 x die Woche ins Fitness-Studio. Nicht aus hundertprozentiger Überzeugung, aber ich weiß, dass ich was für meine Gesundheit tun muss.

Ab und zu helfe ich in einer kleinen Seifenmanufaktur aus.

Tagesausflüge und Frühstücksverabredungen mitten in der Woche – was für ein Luxus. Nächste Woche folgt ein eintägiger Fotoworkshop, auf den ich mich sehr freue. Ich gebe selber Workshops in Lachyoga und lerne dabei tolle Menschen kennen, die mir und auch anderen so viel geben können.

Dies würde alles nicht sein, wenn ich nur zur Hause rumsitzen und mich grämen würde, dass mein Berufsleben nun vorbei ist. Für mich heißt es

 Ein neuer Morgen – ein neuer Tag      

Neugier und Lebenslust pflastern meinen Weg und ich bin gespannt, was da noch kommt.
Habt Ihr Euch schon Gedanken über dieses Thema gemacht, oder ist es noch    v.i.e.l.    zu früh für Euch?
 
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Dieser Beitrag hat 14 Kommentare

  1. Liebe Gudrun, ich beneide Dich um deine Freiheit. Ich habe noch etwas Zeit, aber denke gelegentlich an die freie Zeit ohne Arbeit. Meistens arbeite ich gerne, es wird mir aber nicht fehlen. Dafür habe ich genug Dinge privat, die ich liebend gerne mache. Dein Lachyoga finde ich klasse. Da ist nicht mehr so belastbar bin wie früher und dünnhäutiger geworden bin, mache ich auf den Rat einer Freundin einen Yogakurs. Ich frage mich nur, wo ich ohne Arbeit die Erfüllung finde 🤔. Herzlichst Pet

    1. Hallo Pet,
      ohne Arbeit die Erfüllung finden, du schreibst doch aber, dass du genug private Dinge liebend gerne machst. Vielleicht kannst du dann, wenn es soweit ist, daraus was machen. Wenn es noch etwas hin ist bis zur Rente, dann hast du ja noch Zeit dir darüber Gedanken zu machen. Zum Lachyoga bin ich tatsächlich gekommen, als es mir gesundheitlich auch nicht besonders gut ging. Es hat mir sehr geholfen. Heute ist von den gesundheitlichen Einschränkungen nichts mehr zu spüren.
      Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und bis bald.
      Gudrun

  2. Seit genau 2 Jahren genieße ich die neue Freiheit. Nach 45 Jahren Büro-Leben ist irgendwann Schluss. Die vielen Auslandsreisen haben mir meistens Spaß gemacht, aber 50 Stunden-Woche plus Haushalt plus Garten plus ein lieber Göttergatte mit MS…..🙄🙄
    Ich habe es keine Sekunde bereut, aus diesem Streß raus zu sein. Allerdings hat es schon einige Monate gedauert, bis ich mich neu organisiert habe.

    1. Hallo Monika,
      ja, das hört sich wirklich nach Streß an. Aber es ist doch schön, wenn du es jetzt genießen kannst. Mein Mann ist vor vier Jahren erkrankt, hat aber Gott sei Dank alles gut überstanden. Das war für mich auch ein Grund nach 45 Jahren aufzuhören, auch wenn man mich überreden wollten noch zu bleiben. Wie schnell kann sich das Leben ändern. Ich habe es bis heute auch nicht bereut.
      Herzliche Grüße
      Gudrun

  3. Liebe Gudrun,
    es dauert noch ca 3 Jahre bis ich in Rente gehen darf. Und ich freu mich schon sehr drauf, endlich Zeit für viele Dinge zu haben, die jetzt oft auf der Strecke bleiben.
    Da viele Freundinnen dann auch im Rentenalter sind, wirds bestimmt viele Unternehmungen während der Woche geben, wenn alle arbeiten. Herrlich!
    Liebe Grüße Renate

    1. Ach Renate,
      das hört sich doch gut an. Du machst das schon.
      Liebe Grüße
      Gudrun

  4. Liebe Gudrun
    Auch ich bin unendlich erleichtert dass ich frühzeitig Schluss gemacht habe, kurz vor meinem 60. Geburtstag. Ich habe es keine Sekunde bereut, langweilig ist mir nie, im Gegenteil, ich kann gar nicht alles tun was ich gerne möchte. Die Zeit fliegt dahin, das erschreckt mich manchmal, doch ist es halt der Lauf der Dinge, das erleben wohl fast alle Menschen so.
    Nun bin ich wieder zurück von der Insel, doch noch nicht ganz angekommen, die Seele reist langsam sagt man doch, kann ich nur bestätigen..
    Übrigens, die gelben Schuhe sehen sehr schick aus, gut schaust Du aus. Hab einen guten Start in die neue Woche, sei lieb gegrüsst.
    gertrud

    1. Hallo Gertrud,
      ja, mir ist auch nicht langweilig. Ich möchte so viel machen, was natürlich nicht geht. Dann würde ich irgendwann mal schlapp machen 😀. So setze ich Priotäten und hinterfrage.
      Dass du nach so langer Zeit noch nicht ganz wieder hier bist ist doch klar. Mir ginge es genauso.
      Ich Grüße dich ganz herzlich
      Gudrun

  5. Liebe Gudrun,

    genau so wie Du es beschreibst, so hoffe ich, wird es bei mir und meinem Mann einmal sein. Ich bin schon immer ein quirliger Mensch gewesen und sehr aktiv. Das habe ich von meiner Oma und über diese Gene bin ich wirklich sehr froh. Ich hoffe, das ich Gesund und Munter meine Rente erreiche und auch etwas davon habe. Hört sich jetzt komisch an, aber meine Mutter starb mit 42 und mein Vater mit 64 Jahren. Die Beziehung neu zu sortieren, das ist eine Herausforderung. Die haben wir schon 2 x gehabt. Durch zwei sehr langfristige Krankheiten, wo ich zuhause sein musste, konnte ich schon einen kleinen Einblick bekommen. Für mich zumindest. Bei meinem Mann wird es lustig. Er ist mehr der Couch-Mensch, aber wenn es um den Garten geht, wird er aktiv. Aber auch er hat inzwischen dazu gelernt, Krankheitsbedingt und geht öfters mit mir spazieren. Er liebt genau so wie ich das Reisen. Es muss nicht fliegen sein, aber so wie Ihr. Das ist unseres… ach ja und den Blog haben wir ja auch noch.

    Ganz liebe Grüße
    Elke

    1. Hallo liebe Elke,
      bei uns ist es fast genauso. Ich gehe gern unter Menschen und habe so viele Interessen. Mein Mann reicht der Garten und der Fernseher und ab und zu ein Buch. Aber so ergreife ich immer die Initiative Essen gehen, Kino usw. Wir bekommen das hin 😊
      Herzliche Grüße
      Gudrun

  6. Hallo Gudrun
    wie Du schon weißt, genieße ich meine Freiheit auch sehr. Bei mir sind es bald 3 Jahre und ich weiß jetzt gar nicht wo die Zeit hingekommen ist. Ganz geht dieses „umtriebige“ nicht weg irgendwie muss ich doch immer wieder unter die Leute. Ich reise auch sehr gerne – leider mag mein Mann das nicht mehr. Aber es gibt für alles eine Lösung. Ich wünsche Dir einstweilen alles Gute. Liebe Grüße Gabi

    1. Liebe Gabi,
      na, ich sehe schon, du bist genauso umtriebig wie ich. Mein Mann ist der Haus- und Gartenmensch, aber verreisen tut er schon gern. Ich gehe zum Yoga und besuche gerne Workshops über Themen, die mich interessieren wie jetzt die Patisserie und Fotografie. Und es kommt noch mehr, das weiß ich.
      Liebe Grüße
      Gudrun

  7. Ich komme jetzt erst dazu auf deinen Artikelzu schreiben……Rentnerin keine Zeit😂 nein im Ernst ich habe jetzt 1 Jahr das Rentnerleben , bin mit 63 gegangen. Ich habe es nicht bereut, ehrlicherweise hat mein Chef ( Steuerberater)seine Kanzlei geschlossen und da ich dachte ich, prima gehst du mit in den Ruhestand. Sonst hätte ich wohl noch weiter gemacht. Ich war gern arbeiten. Aber jetzt pflegen wir alle Hobbies, erkunden Neues, lernen Sprachen bzw Auffrischung , ehrenamtliche Sachen und ganz wichtig, mit den Freundinnen was unternehmen. Soziale Kontakte halten finde ich so wichtig und jetzt ist die Zeit dafür. Mein Mann und ich haben gemeinsame Hobbies aber auch getrennte , was ich sehr wichtig finde.
    Das Leben ist schön und Zeit so wertvoll, Krankheiten gehörten auch dazu, umso mehr weiß man alles zu schätzen.
    Liebe Grüsse Petra

    1. Hallo liebe Petra,
      dann geht es dir ja wie mir. Naja, ich war 63 3/4 😉 und ich bin auch immer gern zur Arbeit gegangen. Wenn man mit der richtigen Einstellung an das Thema Rente rangeht, dann ist alles gut. Ich sehe, das ist bei dir auch so.
      Herzliche Grüße
      Gudrun

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