Brustkrebs – Meine Geschichte / Teil 2

Ich möchte mit meiner Geschichte fortfahren. Ich weiß nicht, ob du sie schon von Teil 1 verfolgst oder ob du neu hier bist. Ich möchte mit meiner Geschichte Mutmacherin sein. Mutmacherin für alle, die die Diagnose Brustkrebs bekommen haben. Ich muss aber ehrlich sagen, auch mir fällt es manchmal nicht leicht. Ich habe noch 5 Chemos vor mir und wenn sich auch die Nebenwirkungen in Grenzen halten, die Kraft schwindet doch merklich. Aber nicht verzagen, wir schaffen das.

  

Der Untersuchungsmarathon beginnt

Die Zeit zwischen der Diagnose und dem ersten Vorgespräch im Brustzentrum habe ich irgendwie herumbekommen. Jetzt ging es also los. Im Auto auf dem Weg in die Klinik stieg die Nervosität langsam an. Mein Mann und ich sprachen wenig.

Ich meldete mich in der Anmeldung und die nette Dame bat uns in den Wartebereich. An der Wand eine bunte Collage von Frauen mit Aussagen zu ihren Gefühlen und zu ihrer Erkrankung. Ich las mir eine nach der anderen durch. Es ist sehr bewegend. Dann wurde ich in das Behandlungszimmer gerufen.

 Der Arzt war sehr nett, aber eine Stunde später wusste ich nicht mehr wie er hieß. Ich habe also zwei Tumore in der linken Brust. Sie wachsen langsam und teilen sich nur langsam. Gott sei Dank, wenigstens etwas. Es wurde noch einmal ein Ultraschall gemacht und aus den Lymphknoten unter der Achsel auch noch Gewebeproben entnommen. Wozu das nun noch? Um ganz sicher zu gehen. Man will ja nichts übersehen. Danach saß ich wieder neben seinem Schreibtisch. Der Arzt schaute mich an und schaute mich an und ich denke: Hmmm, auf was wartet er? Warum schaut er mich so an? Sollte jetzt von mir etwas kommen? Aber dann besprachen wir die nächsten Schritte. Meine Frage, ob ich am nächsten Tag für eine Woche in den Urlaub fahren kann, wrde bejaht. Es würde mir guttun, sagte der Arzt. Zwei Räume weiter wurde mir noch Blut abgenommen und bei der Anmeldung bekam ich die nächsten Termin. CT, Knochenzintigramm, MRT, danach wieder Brustzentrum zum Besprechen der Ergebnisse. Am Tag der nächsten Besprechung wären dann gut vier Wochen rum. Aber wie heißt es so schön: Brustkrebs ist kein Notfall.

Erholung, entstressen, vergessen

Der Urlaub war wirklich einmalig schön. Amrum ist meine Insel geworden. Lange Strandspaziergänge, mit Enkelkind Nr. 3 Muscheln sammeln und die Insel kennenlernen, hat mich die ersten Tage alles vergessen lassen, was mich in einer Woche wieder zu Hause erwarten würde. Von Donnerstag auf Freitag und auch von Freitag auf Samstag habe ich schlecht geschlafen. Ich wusste, ich muss wieder zurück ins Leben und zu diesem Leben gehörte ab jetzt auch der Krebs.

Das Leben hat mich wieder

Außer meinen Kindern wusste bisher niemand von meiner Krebserkrankung. Jetzt wollten wir es dem Rest der Familie erzählen. Am Montag waren wir bei der Schwester meines Mannes zum Frühstück eingeladen. Die Brüder mit ihren Frauen waren auch da. Jetzt oder nie habe ich gedacht. Alle waren da, dann konnten es auch alle wissen. Mein Herz fing an zu klopfen. Ich dachte, es springt mir aus der Brust. Nachdem das erste Entsetzen sich gelegt hatte und über die und die gesprochen wurde, die das auch hatte, wurde wieder zur Tagesordnung übergegangen. Gut so. Meinen Bruder, der in Berlin wohnt, ihn habe ich einen Tag später angerufen.

Mein erster Röntgentermin um Metastasen auszuschließen war am 01.10.2019. Das CT wurde im Krankenhaus gemacht und ich sollte eine Stunde vorher 1,5 l trinken. Wenn ih daran dachte, wurde mir schon ganz anders.Nicht an das CT, nun ja, auch, sondern an das Trinken. In einer Stunde so viel Flüssigkeit. Meine Güte. Im Wartebereich hat jeder jeden beäugt und sich bestimmt gefragt, was für ein Päckchen der oder die zu tragen hat. Wie immer bei solchen Terminen dauerte die Untersuchung 10 Minuten. Die Formalitäten, Vorbereitung zur Untersuchung ca. 15 Minuten und die Wartezeit vor- und hinterher zieht sich fast eine Stunde. Leider gab es noch kein Ergebnis. Dafür kann ich aber eine nette Geschichte zum Besten geben, über die ich mich sehr gefreut habe. Als mich die Röntgenassistentin nach der Untersuchung zur Tür begleitete, sagte sie: „Sie sehen ja gut aus.“ Ich schaute sie groß an. Sie sagte: „Ich habe gerader gesehen, dass sie Jahrgang 54 sind.“ „Ja, ich werde in diesem Jahr 65.“, sagte ich. „Also, Sie sehen ja wirklich gut aus.“, sagte sie wieder. Als ich mich freundlich bedankte, sagte sie noch: „Na, über ein Kompliment freut man sich doch immer.“ Wir lächelten uns an und die erste Untersuchung hatte ich hinter mich gebracht. Am 07.10. ging es weiter

Zwei Leben

Zwischen den Untersuchungen kam ich mir vor, als ob ich zwei Leben lebe. Eins mit Krebs, immer wenn ich zu einer Untersuchung oder Besprechung musste und eins ohne Krebs, im normalen Alltag. Ich horchte in mich rein und meinte, irgendetwas müsste ich doch merken. Aber weit gefehlt. Der Krebs verhält sich mucksmäuschenstill. Manchmal dachte ich, ich müsste aufwachen und eine Stimme sagte zu mir: „April, April.“ Aber da kam keine Stimme.

Von unheimlichen Röntgengeräten und radioaktiven Substanzen

Die nächste Untersuchung stand an, das Knochenzintigramm. Die Gänge im Krankenhaus zogen sich. Unser Blick ging immer Richtung Decke, weil da das Leitsystem angebracht war. Geradeaus, links, rechts, links, geradeaus. Ich musste nur kurz im Wartebereich sitzen. Nach dem Vorgespräch wurde mir eine radioaktive Substanz gespritzt und nun musste ich zwei Stunden bis zur Untersuchung warten. Was sollten mein Mann und ich so lange machen? Im Wartebereich durfte ich nicht bleiben, da ich „verstrahlt“ war. Aber ich durfte in die Cafeteria oder auch das Krankenhaus verlassen. Komisch, die Menschen dort dürfen mit mir zusammenkommen? Mein Mann fuhr nach Hause und wollte mich nach der Untersuchung wieder abholen und ich ging in die Cafeteria.

Dann war ich endlich dran. Alle Kleidungsstücke mit Metallstücken ausziehen, Brille ab, Uhr ab. Nachdem ich mich auf die schmale Unterlage gelegt hatte, wurde das Röntgengerät, was über mich drüber wegfahren sollte ausgerichtet. Es wurde so flach auf meinen Körper eingestellt, dass ich, als es auf meinen Kopf zufuhr dachte:  Gleich ist die Nase ab. Aber die Röntgenassistentin beruhigte mich mit den Worten: „Wir haben schon genug Nasen in unserem Fundus. Ihre brauchen wir nicht mehr.“ Na, wenigstens etwas. Meine Nase blieb mir. Das ganze Prozedere dauerte 20 Minuten und ich durfte mich nicht rühren, egal ob die Nase juckte. Die zuständige Ärztin entschied danach, noch eine Aufnahme zu machen. Also noch einmal 18 Minuten liegen, ohne sich zu rühren. Danach war alles erledigt und Untersuchung Nr. 2 war geschafft.

Einen Tag später für das MRT kannten wir den Weg schon. Nicht mehr wie Hans guck in die Luft durch die Gänge rennen. Gleiches Krankenhaus, gleiche Abteilung, gleiche Anmeldung, gleicher Warteraum.

Das übliche Aufklärungsgespräch und natürlich wieder ….. eine radioaktive Substanz. Ob die von gestern schon komplett raus war? Heute wurde nur die Brust geröntgt, um zu sehen, ob sich noch irgendwo Tumore versteckt haben. Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen waren und ich meinen schicken Krankenhauskittel anhatte, erklärte mir die Assistentin, die mich im Röntgenraum  erwartete, was da auf mich zu kommt. Das Röntgengerät selbst sah furchteinflößend aus. Der ganze Röntgenvorgang dauerte 20 Minuten und ich durfte mich nicht bewegen. Sonst war alles für die Katz. Da merkt man erstmal, wie lang 20 Minuten sind. Ich dachte zwischendurch mal: Hoffentlich vergessen die mich hier nicht. Der Lärm, den dieses Gerät macht, war trotz Ohrenstöpsel und Kopfhörer immer noch sehr laut. Wie muss sich das erst ohne anhören.

Nachdem ich fertig und wieder angezogen war (man hatte mich also nicht vergessen), musste ich auf dem Gang warten. Die Oberärztin kam und sagte mir, dass sie keinen weiteren Tumor gefunden hatte, nur  die, von denen wir schon wussten.

Und wie geht es nun weiter

Zwei Tage später, 8.30 Uhr, Termin im Brustzentrum. Mir war sowas von mulmig. Wir waren viel zu früh und setzten uns in den Wartebereich. Zwei Frauen waren schon da und der Wartebereich füllte sich so nach und nach. Und alle hatten wir das gleiche Päckchen, vielmehr das ganze dicke Paket zu tragen.

Dr. F. (diesmal habe ich mir den Namen aber gemerkt) rief mich auf und begrüßte mich und meinen Mann. Es war derselbe Raum wie vor fast 5 Wochen. Die erste gute Nachricht, es gab keine Metastasen. Das war meine größte Sorge der letzten Tage, dass die Aufnahmen da noch Wunder weiß was zu Tage fördern würden. Einige Lymphknoten sind mit Krebszellen befallen und die Tumore sind 1,5 cm groß. Das war Stand der Dinge. Wir mussten auch leider darüber sprechen, dass er mir noch nicht sagen konnte, ob brusterhaltend operiert werden konnte. (Zu dem Thema werde ich noch einmal extra schreiben.) Wir besprachen das Protokoll der Tumorkonferenz und den Therapievorschlag. An eine Zweitmeinung habe ich in dem Moment ehrlich gesagt nicht gedacht. Ich war einfach nur froh, dass eine Möglichkeit gefunden wurde, endlich etwas zu unternehmen. Dr. F. empfahl mir, eine onkologische Praxis zu suchen, da die Chemo ambulant durchgeführt wird. Ich entschied mich für die Praxis von Dr. D., da er als beratender Arzt und Gutachter mit in der Tumorkonferenz saß. Am Ende der Besprechung wurde mir gleich noch ein Termin in der onkologischen Praxis gemacht. Ich nahm den Zettel und dachte ich guck nicht richtig. Es war der 22.10. mein GEBURTSTAG

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Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Cecilia

    Liebe Gudrun, Dein Beitrag holt mich 20 Jahre zurück und ich kann die Zeit spüren, alle Ängste, alle Gedanken… Ich hoffe und bete dass es Dir gut geht, dass Du alles überstehst… Eine liebe Cyberumarmung von Cecilia

    1. Gudrun

      Hallo liebe Cecilia,
      dann weißt du ja, wie sich die Situation anfühlt und wie man sich selbst fühlt. Schön, dass nie wieder bei dir etwas aufgetreten ist. Mir geht es einigermaßen. Das Ende der Chemos naht und der Körper sagt auch, es reicht langsam.
      Danke für deine Umarmung. Ist angekommen 😉
      Liebe Grüße
      Gudrun

  2. Sabine Gimm

    Oje, was geht einem da wohl alles durch den Kopf? Ich möchte es mir gar nicht vorstellen. Wie gut, dass Du auf der Insel vorher ein bisschen Kraft tanken konntest. Amrum ist wirklich schön erholsam. Einfach Balsam für die Seele.

    Liebe Grüße Sabine

    1. Gudrun

      Liebe Sabine,
      ja, die Gedanken fahren da manchmal Karussel. Dann muss man sie einfangen und auf den Boden der Tatsachen zurückholen und sagen STOPP, jetzt gehe wir alles Schritt für Schritt an. Anders gehts nicht. Und Amrum hat uns nicht zum letzten Mal gesehen. Das weiß ich.
      Herzliche Grüße
      Gudrun

  3. Gabi

    Liebe Gudrun – man kann nur ahnen was einem alles durch den Kopf geht und die Ängste die man zwischendurch immer wieder aussteht. Die ja auch Deinen Mann betreffen. Ach wenn Deine Kräfte grad schwinden – sie kommen wieder ! Tu alles was Dir jetzt gut tut und wenn es eben gar nichts ist ausser ausruhen – Pläne schmieden – schlafen. Ich wünsche Dir daß der Albtraum bald vorbei ist. In welchen Abständen mußt Du diese Chemos machen? Liebe Grüße Gabi

    1. Gudrun

      Liebe Gabi,
      danke für deine lieben Zeilen. Die Chemos sind wöchentlich. Die ersten 4 waren 14tägig, da konnte sich der Körper etwas erholen. Die waren auch stärker. Diese sind nicht so stark, dafür jede Woche und das über Wochen. Manche stecken das weg, bei anderen „meckert“ der Körper. Meiner „meckert“ 😉 Aber nun sind es nur noch 4 und die schaffe ich auch noch.
      Liebe Grüße und eine schöne Zeit mit vielen glücklichen Momenten.
      Gudrun

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