Mein durchgeschütteltes Leben und Pflaumenmus

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In Zeiten, in denen wir so durcheinandergeschüttelt werden, tröstet es, wenn wenigstens Pflaumenmus eine Konstante ist"

(Till Raether, Autor, WOMEN 09/19)

Als ich dies las, musste ich innerlich lachen. Mein Leben wird im Moment durcheinandergeschüttelt und ja, ich hatte vor 14 Tagen so einen Appetit auf Pflaumenmus, dass ich mir ein großes Glas gekauft habe und mich jeden Morgen auf mein Pflaumenmustoast gefreut habe. Frag mich nicht warum. Aber es war so!

Ich gebe zu, Marmelade selbst machen, das ist nicht mein Ding. Das hat mein Mann für sich entdeckt, seitdem er in Rente ist. Ich bin  der Meinung, dass man für einen 2-Personen-Haushalt die Marmelade auch kaufen kann. Aber gut. Soll er kochen. Selbstgemacht. Wenn man weiß was drin ist, auch nicht schlecht und sie ist nicht so süß. Mein Mann nimmt den Gelierzucker 2 : 1 oder 3 : 1. Wir haben einen Birnenbaum und einen Kirschbaum im Garten. Also: Birnen- und Kirschmarmelade. Im letzten Jahr waren die Kirschen knapp auf dem Baum. Von den Nachbarn gab es Johannisbeeren und Mirabellen.

Das Kind muss einen Namen haben

Eine ganz besondere Marmelade haben wir, die nennt mein Mann: „Kirschkonfitüre vom 2. Bach“. Dazu muss man wissen, wir wohnen sehr ländlich auf einem Dorf mit ungefähr 200 Einwohnern und wenn wir spazierengehen, dann treibt es uns in die Felder. Zu jeder Jahreszeit etwas besonderes. Nach ungefähr 500 m kommt man an einen Bach. Von den Einheimischen den „1. Bach“ genannt. Es ist sehr idyllisch dort, wie er so dahinplätschert in seinem natürlichen Bachlauf. Eine Bank steht dort und wenn man über die Felder schaut und dem Bach zuhört, ist das sehr entspannend. Geht man weiter, kommt man nach 500 m an den „2. Bach“. Er läuft genau paralllel zum ersten und dort stehen Kirsch- und Pflaumenbäume und da stammt unsere Kirschkonfitüre her. Man muss dem Kind ja einen Namen geben. 😉 Pflaumenmus hat mein Mann noch nicht gemacht, dafür aber Pflaumenmarmelade. So können wir das ganze Jahr über von den eigenen Marmeladen schleckern und kaufen nur ab und zu eine andere Sorte hinzu, die wir nicht haben und auf die wir Appetit haben. Wie das Pflaumenmus in meiner durchgeschüttelten Zeit.

Was hat ein durchgeschütteltes Leben mit Pflaumenmus zu tun?

Eigentlich überhaupt nichts und doch ein klein wenig. Einfach nur Genuss. Wenn ich beim Abbeißen die Augen zu mache und der Geschmack meine Seele streichelt.

Durchgeschüttelt - nicht gewollt - aber irgendwann akzeptiert

Wer lässt sein Leben schon gerne durchschütteln, vor allen Dingen, wenn man es sich doch gerade so schön eingerichtet hat. Da stimmt dann doch alles. Bei mir stimmte alles! Ich war gerade ein Jahr in Rente, gab meine Lachyoga-Spaziergänge, wurde für Workshops gebucht, arbeitete ein paar Stunden in einer kleinen Seifenmanufaktur und konnte auf Reisen gehen wie ich wollte und wann ich wollte und musste keinen Chef um Urlaub bitten. PERFEKT!

So und wer bitte schön hat dann entschieden, dass das noch nicht alles gewesen sein soll? Das Leben, das Schicksal, der Zufall oder lag es an mir.? NEIN, an mir ganz bestimmt nicht! Da scheint das Universum mir noch Brustkrebs schicken zu müssen. Ich wurde die letzten Monate und werde die nächsten Monate weiter durchgeschüttelt. Die letzte Chemo steht an und ich habe den Termin für das OP-Vorgespräch. Es geht weiter.

Und nicht zu vergessen, ich habe Pflaumenmus im Kühlschrank.

Liebe Grüße

Gudrun

P.S. Im nächsten Beitrag geht es um „Meine Geschichte – Teil 3“. Wie geht Chemo.

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Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. elke

    Liebe Gudrun,

    da sitze ich nun im Büro und habe mal schnell in mein Email gesehen und sehe deinen Newsletter und musste lachen. Neben meinen Mann und Frieda bist Du heute meine dritte Person an diesem Donnerstag, die mir ein lächeln ins Gesicht zaubert.

    Aus oder von meiner Reha bin ich im Moment nicht im Alltag angekommen. Ich bräuchte eine Nachreha von 3-4 Wochen. 🙂 Einfach morgens aufstehen wann ich möchte. Nicht um 5 Uhr wenn der Wecker klingelt. Das war in der Reha schön. Zwar waren die Therapien teilweise auch schon um 7:30 oder auch mal um 7 Uhr. Aber irgendwie war der Kopf wach. Im Moment bin ich nur Müde. Tja, den Hipper auf Pflaumenmus hatte ich in der Reha 🙂

    Hab einen schönen Tag bis bald.

    Ganz liebe Grüße
    Elke

    1. Gudrun

      Liebe Elke,
      na, da freue ich mich aber, wenn ich dir heute in der Früh schon ein Lachen ins Gesicht zaubern konnte. Ja, wer steht schon gerne früh auf und nach einer Reha gleich wieder los, das ist weniger schön. Und – ich liebe Pflaumenmus 😉

      Liebe fGrüße
      Gudrun

  2. Gabi

    Liebe Gudrun
    was für ein schöner Beitrag. Ist doch toll wenn Dein Mann Marmelade macht – ich habe auch noch nie eines gemacht. ABER was für ein Glück, ich habe eine Freundin die kocht Traummarmelade und ich kriege immer was ab! Wenn man so durchgeschüttelt wird wie Du vom Leben braucht es wahrhaftig ein paar Konstante und wenn es eben die Pflaumenmarmelade ist. Man sieht nun durch diesen Virus wie fragil unser aller Leben ist. Alles Gute liebe Grüße Gabi – paß auf Dich auf.

    1. Gudrun

      Liebe Gabi,
      schön, dass es solche Freundinnen gibt, die tolle Marmeladen kochen und dann gerne davon abgeben.
      Hab eine schöe Zeit.
      Liebe Grüße
      Gudrun

  3. Liebste Gabi,
    Du bist wunderbar und Du hast Deinen Humor nicht verloren. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht habe ich gedacht, wie schön es doch wäre Dich persönlich und nicht nur virtuell zu kennen.
    Ganz liebe Grüße
    Karin

    1. Gudrun

      Hallo Liebe Karin,
      vielen Dank für deine lieben Worte. Ja, Humor ist ganz wichtig. Manchmal war er auch weg, aber auch das kann und darf sein. Apropos kennen. Warum soll das nicht wahr werden. Ich habe gesehen, du wohnst in Köln. Was ist schon Braunschweig – Köln. Lass Corona vorbei sein, wann auch immer, und ich bin wieder gesund, dann steht einem Treffen nichts im Wege.
      Liebe Grüße
      Gudrun

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