Sommer am Pont-du-Gard – Kapitel 2

Nachdem Christina eingesehen hatte, dass es so mit der Arbeit nicht mehr weitergehen konnte und Tom, ihr Chef, ihr schweren herzens vier Wochen Urlaub von jetzt auf gleich gegeben hatte, machte sie sich auf den Weg nach Südfrankreich. Zu diesem Zeitpunkt konnte sie noch nicht wissen, dass die Menschen, die ihr dort begegnen, ihr Leben vollkommen verändern werden.

Kapitel 2

Christina war nun schon einige Stunden unterwegs. Nachdem sie gestern Abend ihr Ziel gefunden hatte, packte sie schnell einen Koffer und eine Reisetasche. Sie brachte die Schlüssel zu ihrer Nachbarin. Frau Jablonska war eine kleine zierliche Dame mit silbergrauem Haar. Sie half immer, wenn Not am Mann war. Sie nahm ihre Pakete an, wenn sie nicht zu Hause war und goß ihre Blumen, wenn sie auf eine Buchmesse musste. Manchmal stand ein Topf mit Suppe vor der Wohnungstür. Der Mann von Frau Jablonska war früher Musiker in einem Orchester. Oft hatte sie ihn auf seinen Reisen begleitet und war so in der Welt herumgekommen. Seit dem ihr Mann vor vier Jahren verstorben war, lebte sie allein mit ihrem Dackelhündin Paula. Christina kam mit der Frau gleich in der ersten Woche im Treppenhaus ins Gespräch. Seit dem Tag hatte Frau Jablonska ein Auge auf Christina. Die alte Dame freute sich immer, wenn sie mit ihr ein paar Worte wechseln konnte und sie nahm sich gerne die Zeit. Die Handynummer hatte Christine ihr vorsorglich auch dagelassen. Dann verstaute sie ihr Gepäck im Auto und fuhr los. Über Nacht war die Autobahn nicht so voll. Mit ein paar Pausen sollte sie gegen 11:00 Uhr am nächsten Tag ihr Ziel erreicht haben.

***

Sie fuhr auf der Autobahn in Richtung Orange. Noch ungefähr eine Stunde, dann müsste sie da sein. Die Sonne schien, das Autoradio spielte leise, die Fahrt ging besser als gedacht. Die nächste Abfahrt bei Remoulins musste sie runter. Es wurde Zeit, dass sie ihr Ziel erreichte und eine Unterkunft musste sie sich auch noch suchen. Das Beste wäre, sie würde sich für zwei oder drei Nächte ein Hotelzimmer nehmen, dann hätte sie in Ruhe Zeit, sich nach einer kleinen Wohnung oder einem kleinen Haus umzusehen. Sie wollte den Rat der netten Bedienung in dem Bistro annehmen. Christina genoss die letzten Kilometer der Fahrt in der Sonne. Es war noch früh und noch nicht so heiß. Rechts der Straße lagen Weinfelder, ein paar Kilometer weiter fuhr sie an einer Ölmühle vorbei. Die Landschaft war wunderschön. Die vielen Hinweistafeln am Straßenrand wiesen den Weg zu einigen Weingütern.

Christina fand in Uzès einen Parkplatz an einer großen Kirche am Rand der Altstadt. Sie nahm ihre Handtasche, holte die Reisetasche aus dem Kofferraum und ging weiter in die Stadt hinein, wobei sie nach einem Hotel Ausschau hielt.
Es war viel Verkehr auf der Durchgangsstraße. Dabei hatten die Sommerferien in Frankreich noch nicht einmal begonnen. Da, 500 m vor ihr wies ein Schild auf ein Hotel hin, „Le pont d’or“. Sie ging darauf zu, öffnete die Tür und stand in einer kleinen Halle. Die Einrichtung hatte schon bessere Zeiten gesehen, aber es sah alles sauber und ordentlich aus. Das Licht, das durch das große Fenster fiel, tauchte das Holz der Rezeption in eine warme rötliche Farbe. Am Fenster stand ein kleiner runder Tisch mit zwei schwarzen Sesseln. Niemand war zu sehen. Christina schaute sich um.

„Hallo“, rief sie. Ein junges Mädchen kam schnellen Schrittes aus dem hinteren Bereich.

„Bonjour, Madame“, sagte sie mit einem strahlenden Lächeln.

„Bonjour, Mademoiselle“, erwiderte Christina. „Ich suche ein Zimmer für zwei oder drei Nächte.“

„Ja, wir haben noch ein Einzelzimmer. Sie reisen doch allein?“

Das Mädchen schaute auf ihr Gepäck. Sie sprach schnell und gestikulierte dabei mit ihren Händen und ihr ganzer Körper war in Bewegung. Ein paar blonde Strähnen waren aus ihren hochgesteckten Haaren gerutscht.

„Was soll denn das Zimmer kosten?“

„51 € plus 5 € petit déjeuner. Sie können ein Zimmer nach vorne raus haben. Die Zimmer nach hinten liegen zum Garten. Da ist es schöner und Sie haben es ruhiger.“

„Bonjour Madame.“ Eine ältere Dame trat aus dem hinteren Raum an die Rezeption. „Excuses-moi, ich hoffe Loulou hat sie nicht gleich überfallen.“

„Grandmer“, protestierte Loulou mit zusammengezogenen Augenbrauen und einem entrüsteten Blick.

„Nein, es ist alles gut Madame“, sagte Christina lächelnd. „Loulou hat das wunderbar gemacht. Ich würde gerne das Zimmer zum Garten nehmen.“

„Aber gerne. Ich gebe Ihnen Zimmer 3 im Parterre, da haben Sie direkten Zugang zum Garten. Es ist eines unserer schönsten Zimmer.“

Loulou drehte sich schnell um und nahm den Schlüssel vom Schlüsselbrett, bevor ihre Großmutter es tun konnte. Sie reichte Christina den Schlüssel.

„Wenn Sie dann noch die Anmeldung ausfüllen würden. Sie können sie mir später zurückgeben und wenn Sie etwas benötigen oder eine Frage haben, nur zu. Ich helfe Ihnen gerne weiter. Mein Name ist Binette Legrand.“ Madame Legrand schob ihr noch ein Formular über den Tresen.

„Vielen Dank, Madame.“ Christina nahm den Schlüssel und die Anmeldung und ging an der Rezeption den Gang runter. Die zweite Tür auf der linken Seite war Zimmer 3.

Als sie die Zimmertür öffnete, wehten die leichten Gardinen im Wind. Die Tür zum Garten stand auf. Sie hörte leises plätschern von einem Brunnen. Das Zimmer war sehr geschmackvoll eingerichtet und strahlte eine heimelige Wärme aus. An der Tür zum Garten stand einer kleiner Tisch und ein zierlicher weißer Sessel. Das Bett war mit einer wunderschönen pastellgrünen Decke bedeckt. Die verschiedenen großen Kissen waren farblich genau darauf abgestimmt. Christina stellte ihre Reisetasche ab und ging in den Garten. Er lag in einem Innenhof und in der Mitte stand der Brunnen, dessen Plätschern sie schon im Zimmer gehört hatte. Lavendel, Oleander, Rosmarin verströmten ihren Duft. Viele Pflanzen kannte sie gar nicht. Wenn diese Vielfalt erst einmal in voller Blüte stand, dann würde es das Paradies sein. Mit geschlossen Augen stand sie da und zog den herrlichen Duft ein. Sie ging zurück ins Zimmer und legte sich auf das Bett. Nur ein paar Minuten ausruhen. Sie merkte jetzt die Müdigkeit nach der langen Fahrt.

Als Christina die Augen wieder öffnete, schaute sie sich um und musste sich erst besinnen, wo sie war. Wie spät war es? Ihr Blick ging zu ihrer Armbanduhr und dann setzte sie sich erschrocken auf. Es war früher Abend. Sie hatte doch tatsächlich einige Stunden geschlafen. Dabei war ihr Schlaf sehr unruhig gewesen. Sie holte ihre Kulturtasche aus dem Reisegepäck und ging ins Bad, um sich frisch zu machen. Danach füllte sie für Madame Legrand noch schnell das Anmeldeformular aus, nahm ihre Handtasche und verließ ihr Zimmer. Vorne an der Rezeption war niemand und auch auf ihr rufen rührte sich nichts. Christina legte das Meldeformular auf den Tresen und damit es nicht runterrutschen konnte, stellte sie den Kugelschreiberhalter drauf. Madame würde es schon sehen.

Als Christina vor das Hotel trat, wurde sie wieder von der Realität empfangen. Gerade eben war sie noch im Paradies, aber hier tobte das Leben. Auf beiden Seiten des Boulevard Gambetta standen parkende Autos und der Verkehr ging nur mühsam voran.

Und trotzdem strahlte alles eine gewisse Leichtigkeit aus. Sie schaute links und rechts und entschied sich dann rechts die Straße runterzugehen. Alte Platanen standen auf beiden Seiten. Die Sonne schien durch das Blätterdach. Die Wurzeln der alten Bäume hatten im Laufe der Jahre den schwarzen Asphalt hochgedrückt. Bistros und Cafés reiten sich aneinander. Dazwischen ein Blumenladen, eine Bank oder ein Zeitschriftenladen. An der nächsten Querstraße entschied sich Christina in die Altstadt abzubiegen. Einfach nur drauflosgehen, nicht auf die Zeit achten zu müssen. Zeit war uninteressant. Keiner wollte was von ihr. Sie konnte es noch gar nicht fassen. Auch hier reihte sich ein Geschäft an das andere. Christina blieb vor einem Schaufenster stehen und bewunderte die Auslagen in einer Parfümerie. Seifen aus der Provence, Glasflacons mit Lavendel- oder Rosenwasser und wunderschöne Seifenschalen. Sie würde die nächsten Wochen noch genug Zeit haben, alles ausgiebig zu erkunden. Auf einmal merkte sie, wie sich ihr Magen meldete. Wann hatte sie eigentlich das Letzte gegessen? Dann sah sie auf der rechten Seite ein kleines Restaurant. Genau das Richtige für heute Abend. Sie setzte sich an einen Tisch zu Straße und konnte den Blick von dem bunten Treiben gar nicht lösen. Touristen schlenderten vorbei, die Lokale füllten sich langsam. Zwei kleine Jungs spielten Fußball und dribbelten den Ball gekonnt um die Menschen herum.

„Bitte schön, was darf es sein?“ Christina schreckte zusammen und schaute hoch. Vor ihr stand ein junger Mann. Schwarze Hose, weißes Hemd, braune Augen, lockige dunkle Haare und einem unwiderstehlichen Lächeln.

 „Oh, Entschuldigung. Ich habe noch gar nicht nachgeschaut.“ Sie griff schnell zur Karte und blätterte ungeschickt die Seiten um.

„Dann schauen Sie in Ruhe. Ich komme gleich noch einmal wieder.“

Er ging an einen anderen Tisch. Christina kam sich etwas albern vor. Warum war sie so nervös? Sie studierte die Karte wieder von vorn. Ein Menue wollte sie jetzt noch nicht essen. Sie entschied sich für einen großen Salatteller. Dazu würde sie zur Feier des Tages ein Glas Weißwein trinken. Immerhin war dies ihr erster Urlaubstag nach langer, langer Zeit. Sie legte die Karte zurück auf den Tisch mit der rot-weißen Tischdecke und setzte sich entspannt zurück. Aus dem Innenraum des Restaurants erklang leise Musik. Der junge Mann kam an ihren Tisch.

„Haben Sie sich entschieden?“, fragte er freundlich.

„Ich hätte gern einen großen Salatteller und ein Glas trockenen Weißwein, bitte.“ Er nahm die Karte.

„Avec plaisir.“

Christina fiel plötzlich ein, dass sie vergessen hatte, ihre Eltern anzurufen. Sie wollte ihnen doch wenigstens sagen, dass sie gut angekommen war. Sie wussten ja noch nicht einmal, dass sie schon losgefahren war. Sie nahm ihr Handy aus der Tasche und wählte die Nummer. Am anderen Ende klingelte es nur zweimal.

„Christina, endlich! Ich habe schon auf deinen Anruf gewartet.“

„Entschuldige, Mutsch. Ich habe es total vergessen.“

„Geht es dir gut? Wo bist du?“. Christina hörte die Besorgnis aus der Stimme ihrer Mutter.

„Ich bin in Uzès in Südfrankreich und sitze gerade in einem wunderschönen kleinen Restaurant, um etwas zu essen.“

„Das ist schön. Papa hat auch schon dauernd gefragt, ob du dich gemeldet hast. Er hat mich ganz verrückt gemacht.“ Sie lachte leise.

„Sag ihm, dass alles in Ordnung ist. Ich melde mich wieder bei euch. Bis bald, Mutsch.“

„Ja, lass es dir gutgehen, mein Schatz.“ Christina beendet das Gespräch. Im gleichen Moment kam ihr Essen.

„Lassen Sie es sich schmecken.“ Der junge Mann stellte den Teller und das Weinglas vor sie hin. Die Salat sah sehr köstlich aus.

„Wenn ich noch etwas für sie tun kann, bitte Bescheid sagen.“

„Das ist sehr freundlich von Ihnen. Vielen Dank.“

Während des Essens dachte Christina an ihre Eltern. Ihnen gehörte eine kleine Reederei vor den Toren Hamburgs. Nachdem ihr Vater vor einigen Jahren einen Herzinfarkt hatte, wurde die Firma von seinem langjährigen Mitarbeiter Thomas Paulsen geführt. Ihr Vater hatte sich zurückgezogen. Die Firma lief gut. Er konnte nicht klagen. Thomas machte das hervorragend. Wenn er in Urlaub ging, dann übernahm ihr Vater für diese Zeit wieder die Führung. Es fiel ihm nach seiner Krankheit nicht leicht, kürzer zu treten. Ihre Mutter hatte eine kleine Galerie in Hamburg, die sie gemeinsam mit einer Freundin leitete. Der Krankenhausaufenthalt ihres Vaters und die Zeit danach waren für beide schwer. Ihre Eltern mussten einen neuen Tagesablauf finden. Ihr Vater wusste nichts mit sich anzufangen und war unzufrieden.

Plötzlich tauchte er vormittags in der Galerie auf und versuchte sein handwerkliches Geschick einzubringen. Zuerst glaubten alle, dass das nicht gutgehen könnte. Aber mit viel Geduld von beiden Seiten zeigte sich, dass das doch keine schlechte Idee war. Es gab immer etwas zu tun.

Christina wurde aus ihren Gedanken geholt. Eine Drei-Mann-Kapelle stand plötzlich an der Straßenecke und machte Musik. Junge Männer mit Saxophon, Akkordeon und Geige spielten Folklore. Die Menschen blieben stehen und hörten zu und bewegten sich im Takt der Musik. Ein kleines Mädchen in einem roten Kleid begann zu tanzen. Aus irgendeinem Grund ging ihr Blick zur Eingangstür des Restaurants. Am Türrahmen lehnte ein Mann und schaute sie an. Ihre Blicke trafen sich und leicht neigte er grüßend den Kopf. Wie lange mochte er sie schon anschauen? Sie grüßte zurück. Der Mann war schlank und er trug eine schwarze Hose und ein schwarzes Sweatshirt, die langen Ärmel lässig nach oben geschoben. Christina schaute wieder zu den Straßenmusikern. Als ihr Blick wieder in Richtung Tür ging, war der Mann fort. Sie musste zugeben, sie war etwas enttäuscht.

Der junge Mann, der sie bedient hatte, kam an ihren Tisch.

„War alles zu Ihrer Zufriedenheit?“, fragte er.

„Danke, wunderbar. Würden Sie mir bitte noch einen Espresso bringen und auch gleich die Rechnung.“

„Aber gerne.“

Nachdem Christina den Espresso ausgetrunken und die Rechnung bezahlt hatte, stand sie auf und ging den Weg zurück, den sie gekommen war.

Zurück im Hotelzimmer öffnete sie die Tür zum Garten und atmete den wunderbaren blumigen Duft ein, der über ihm lag. Sie setzte sich in einen der Liegestühle und schaute in den Himmel. Langsam schloss sie die Augen. Sie wollte einfach nur zwei Minuten innehalten und zu sich kommen. Es war schwer. In ihrem Kopf war es plötzlich laut. Wie konnte das sein. Es war doch so schön still, wie konnte Stille so laut sein? Sie richtete sich auf, öffnete die Augen und atmete ein paarmal tief durch. Der Brunnen plätscherte leise und das Zirpen der Zikaden sagte ihr, dass sie doch nun endlich im Urlaub war. Sie wollte abschalten und nicht an die Arbeit denken. Was mochten die nächsten Wochen ihr bringen?

***

Der letzte Gast war gegangen. André stand in der Tür seines Restaurants und rauchte noch eine Zigarette. Eigentlich wollte er sich das Rauchen schon längst abgewöhnt haben, aber die letzten Wochen und Monate hatten doch Nerven gekostet. André hatte sich von Flore getrennt und mit ihr war auch seine Tochter Maelie ausgezogen. Flore und er kannten sich zu dem Zeitpunkt 12 Jahre. Das erst Mal waren sie sich in Paris über den Weg gelaufen. André arbeitete in einer Werbeagentur und Flore in einer Parfümerie. Sie führten ein unbeschwertes Leben in Paris, gingen viel aus und trafen sich mit Freunden. Als Flore dann schwanger war, zogen sie nach Südfrankreich zurück, wo Flore ihre Eltern lebten. Ein Kind in der Millionenstadt aufziehen, das wollten sie beide nicht. Die Schwangerschaft und die Geburt verliefen ohne Komplikationen. André hatte die Idee mit dem kleinen Restaurant. Der Zufall brachte es mit sich, dass in der Altstadt von Uzés eines leer stand. Es lag ideal in der Fußgängerzone. Er wurde sich mit dem Vermieter schnell einig und so konnte er bald mit den Renovierungsarbeiten anfangen. Die Eröffnung war auf den Tag genau ein Jahr nach Maelies Geburt. Das konnte nur ein gutes Zeichen sein, so dachte André. Es kam aber alles ganz anders. Außer einem Koch konnte er sich noch nicht viel Personal leisten. Also musste er selbst mit ran. Morgens früh die frischen Waren einkaufen und dann ins Restaurant. Ab 11:30 Uhr war geöffnet. Dann kamen die ersten Touristen und es wurde nach und nach immer voller. Die Arbeit an der Bar und die Bedienung an den Tischen übernahm André selbst. War das Mittagsgeschäft vorbei, konnte er zwei Stunden nach Hause. Abends ab 18:00 Uhr war André aber schon wieder im Lokal. Die Sommermonate mit den vielen Touristen waren anstrengend. Flore war mit dem kleinen Mädchen viel allein. Sie fühlte sich einsam und es kam immer wieder zu Streit. Zwischendurch besuchte sie für ein paar Tage ihre Eltern, die in der Camargue lebten. Nach ihrer Rückkehr ging es dann die ersten Tage, aber der nächste Streit ließ nicht lange auf sich warten. Maelie kam mit drei Jahren in die Vorschule und Flore bekam die Möglichkeit halbtags in einem Biskuit-Laden zu arbeiten. Das verbesserte die Situation der beiden aber nicht wirklich. Maelie wurde älter und bekam natürlich die Streitereien ihrer Eltern mit. Sie wurde immer blasser und stiller. Eines Tages, als André und Flore im Wohnzimmer wieder stritten, kam Maelie reingerannt und rief:

„Ihr sollt Euch nicht immer streiten! Ich hasse Euch!“

Sie machte kehrt, knallte mit der Tür und war auch schon wieder draußen. André und Flore sahen sich schuldbewusst schweigend an. Es war unverzeihlich, was sie ihrer Tochter über einen langen Zeitraum zugemutet hatten, das war ihnen jetzt klar. Dieser Moment war es, der ihnen zeigte, dass es so nicht mehr weiterging. André zog in die kleine Wohnung über dem Restaurant. Flore blieb mit Maelie in ihrer gewohnten Umgebung. Wenn Flore länger arbeiten musste, kam das kleine Mädchen ins Restaurant und setzte sich an einen Tisch am Fenster. Dort machte sie ihre Hausaufgaben. Danach ging sie oft eine Querstraße weiter und besuchte ihre Schulfreundin Sarah.

Ein letzter Zug an der Zigarette, den Rest drückte André aus. Er machte das Licht im vorderen Teil des Restaurants aus und schloss die Tür ab.

Share on facebook
Facebook
Share on google
Google+
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on pinterest
Pinterest

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Liebe Gudrun, ich möchte jetzt, auf der Stelle ,dieses Hotelzimmer beziehen – ein Zimmer mit Zugang zu einem Garten, der sogar noch einen Brunnen hat. Herrlich! Den Gegensatz zum lauten Verkehr draußen kann ich mir allerdings auch lebhaft vorstellen – vor allem wird im Süden immer viel mehr gehupt als bei uns…
    Ich nehme an, Du kennst Uzès selbst sehr gut?
    Ich freue mich auf die Fortsetzung.
    Liebe Grüße
    Nicole

    1. Gudrun

      Liebe Nicole,
      jetzt musste ich wirklich schmunzeln. Danke schön. Ja, so ein Hotelzimmer ist traumhaft. Den Boulevard Gambeta gibt es wirklich und da ist es tagsüber sehr laut. Wenn man dann in die Altstadt abbiegt, dann ist es traumhaft. Ich kenne Uzès sehr gut. Es ist meine absolute Lieblingsstadt, auch, weil sie so schön übersichtlich ist. Wir waren jetzt schon 4 x in der Gegend und immer ging es nach Uzès. 3 x hatten wir ein Ferienhaus und vor zwei Jahren haben wir ein paar Tage in Uzès in einem Hotel gewohnt.
      Im nächsten Jahr planen wir wieder eine kleine Rundreise und da wird natürlich auch Uzès wieder eingebaut. Ich freue mich, wenn dir meine Geschichte gefällt.
      Viele Grüße
      Gudrun

  2. Petra

    Hallo liebe Gudrun
    Deine Geschichte hat meine Sehnsucht nach Frankreich
    entfacht.Vor etwa 10 Jahren habe ich mit meinem
    Ehemann mit dem Auto eine ca. 5000 km weite Rundreise durch Frankreich erlebt.Wir haben in verschiedenen besonderen Privatunterkünften übernachtet.Dabei waren ein Landgut ein Schloß im
    Privatbesitz eine Mühle es war traumhaft.Jetzt ist mein
    Mann 72 ich 65 und eine derartige Reise bewältigen wir nicht mehr aber vielleicht kann man mit der Bahn deine traumhafte Stadt besuchen? Aber jetzt freue ich mich erstmal auf die Fortsetzung damit ich weiter träumen
    kann.Danke für die Träume das lenkt von der Coronaangst ab.Alles Gute Petra

    1. Gudrun

      Liebe Petra,
      das freut mich sehr, dass dir mein Buch gefällt. Ja, mein Mann und ich sind Frankreich-Fans durch und durch. Im Nächsten Jahr wollen wir noch einmal eine kleine Rundreise machen. Ich bin auch 65 wie du und mein Mann ist 67. Einmal wagen wir es uns wohl noch. Die Fahrt ist wirklich immer anstrengend. Manchmal graust es mir vorher und wenn ich da bin, dann ist alles gut. Uzès ist meine absolute Lieblingsstadt in Südfrankreich. 4 x waren wir schon da. Mit der Bahn ist sie bestimmt auch zu erreichen. Ich freue mich, wenn du weiterliest.
      Ganz herzliche Grüße
      Gudrun

Schreibe einen Kommentar