Brustkrebs – Meine Geschichte Teil 8

So, gestern sollte eigentlich meine Geschichte Teil 8 hier erscheinen. Tut sie ja auch. Heute. Irgendwie. Wo fange ich an? Wo höre ich auf? Am Freitag sind meine Gefühle noch Achterbahn gefahren. Ich glaube, ich muss erst wieder ins „normale“ Leben zurückfinden. Aber was ist passiert?

Ich bin wieder gesund!

Das ist doch ein Grund zum Freuen, wirst du jetzt sagen. Das ist es. Gar keine Frage. Freude, aufatmen, Dankbarkeit, Angst, Hilflosigkeit, Herausforderung, das purzelte gestern in meinem Kopf alles durcheinander. Aber, das wird sich geben. Das weiß ich.

Heute will ich dir noch von meine Bestrahlungszeit erzählen.

6 1/2 Wochen

Die Bestrahlungen zogen sich über diesen Zeitraum hin. Immer wenn ich an „6 1/2 Wochen“ dachte, dann habe ich überlegt, an was mich das erinnert. Bis ich drauf kam. 9 1/2 Wochen, das war ein amerikanischer Erotikfilm mit Kim Basinger und Mickey Rourke. Da lag ich also vollkommen daneben, zumal ich den Film noch nicht mal gesehen hatte. Und 6 1/2 Wochen haben auch gereicht.

Strahlentherapie

Am 13.05.2020, 4 Wochen nach meiner Brust-OP und 3 Wochen nach meiner Lendenwirbel-OP, stellte ich mich in der Strahlenklinik vor. Erst hatte ich das Aufklärungsgespräch mit einem Arzt. Er erklärte mir sehr genau, was warum wie gemacht wird. Dann schob er mir einen Stapel Papiere über den Schreibtisch, die ich mir zu Hause durchlesen und unterschreiben und beim nächsten Mal wieder mitbringen sollte. Falls ich noch Fragen hätte, könnte ich jederzeit anrufen. Dann musste ich zurück zur Anmeldung und man gab mir einen Termin für ein CT.

Eine gute Woche später war ich also wieder in der Strahlenklinik. Das CT dauerte länger als normalerweise und ich war froh, dass ich die Wochen vorher für meinen Arm Physiotherapie bekommen hatte. Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus konnte ich den Arm gerade bis auf Schulterhöhe heben. Hier aber musste ich beide Arme hoch über den Kopf legen. Das wäre vor der Physio gar nicht möglich gewesen. Da die Bestrahlung atemgesteuert durchgeführt werden sollte, sagte mir eine Automaten-Stimme auch beim CT, wann ich ein- und ausatmen sollte. Die Mitarbeiterinnen dort am Gerät bemalten mich mit rotem Filzstift kreuz und quer, damit ich später unter dem Bestrahlungsgerät richtig ausgerichtet wurde.

Die atemgesteuerte Bestrahlung bewirkt, dass beim Bestrahlen der linken Seite beim Einatmen das Herz weit in den Brustraum sinkt und so keine Strahlendosis abbekommt, weil es außerhalb des Bestrahlungsbereichs liegt.

Für die Zeit des Bestrahlens hieß es dann, keine Körperlotion, kein Deo, kein Duschbad auf die zu bestrahlenden Flächen. Duschen nur mit klarem Wasser. Die „Malerei“ auf dem Körper durfte nicht abgehen.

Eine von den netten Damen am CT zeigte mir noch den Wartebereich des Linearbeschleunigers 1, so heißt dieses Ding. In der Strahlenklinik gab es drei davon.

Als ich nach Hause kam, oh Schreck, hatte ich schon mehr rote Farbe in der Kleidung als auf dem Oberkörper. Da war der Farbe wohl noch nicht trocken, als ich mich wieder anziehen konnte. Die 1. Bestrahlung sollte aber erst in einer Woche erfolgen. Jeden Tag schaute ich mich im Spiegel an und kontrollierte, dass nicht noch mehr Farbe verschwand.

Dann war er da, der Tag der 1. Bestrahlung und es sollten noch 32 sein. Nachdem ich meinen Terminzettel in die Anmeldebox gesteckt hatte, dauerte es gar nicht lange und ich wurde aufgerufen.

Kabine 1. Bitte eintreten. Oberkörper freimachen. Es kam kurz ein Arzt in die Kabine, der mir noch einige Hinweise gab. Dann konnte ich in den Raum mit dem Bestrahlungsgerät. Ich ging durch eine (für mich meter-) dicke Tür einen kurzen Gang entlang und wurde an der Liege schon erwartet. Auf dieser Liege musste mein Kopf in einer dafür vorgesehenen Vorrichtung liegen, die Arme leicht angewinkelt über den Kopf gestreckt und meine Hände mussten jeweils einen Griff umfassen. Dabei sollte ich noch ganz entspannt sein und der Oberkörper sollte flach auf der Unterlage liege. Leichter gesagt als getan in dieser Haltung. Aber in den nächsten Tagen bekam ich das immer besser hin. An mir wurde rumgeruckelt und rumgezuckelt, bis ich so lag, wie es sein sollte. Anstatt der roten Striche bekam ich noch eine Menge blauer Striche auf den Oberkörper gemalt. Über mir ein großes beleuchtetes Bild mit Kirschblütenzweigen. Und dann ging es los. Die Mitarbeiterinnen verließen den Raum. Die dicke Tür wurde zugemacht und ich war allein. Das Bestrahlungsgerät hing schräg rechts über mir. Es sah aus, wie eine riesengroße Lampe, nur ohne Licht. Das Kommando „einatmen, ausatmen“ kam. Ich also schön in dem Rhythmus geatmet. 33-mal insgesamt. Ich habe mitgezählt. Das Gerät wanderte über mir hinweg und verschwand links unter mir. Gleichzeitig kamen andere Riesengeräte rechts aus der Versenkung über mich. Irgendwann verschwanden die wieder und die große „Lampe“ 😉 kam wieder zum Vorschein. Und zack, das wars. Ich konnte wieder aufstehen und zurück in die Kabine gehen. Wie lange das Ganze gedauert hatte? Ich habe leider nie auf die Uhr geschaut, aber die reine Bestrahlungszeit soll wohl nur so 2 Minuten sein.

So ging das nun jeden Tag außer Samstag und Sonntag. Was leider etwas nervig war, ich bekam immer am Bestrahlungstag den Termin für den nächsten Tag. Das ging immer flott durcheinander: 9:45, 13:20, 18:30, 12:10, 16:00, 19:00 Uhr. Einmal waren durch einen Stromausfall zwei Geräte defekt und so mussten diese Patienten mit auf ein einziges Gerät koordiniert werden. Da hatte ich dann einen Termin um 22:40 Uhr. Da konnte ja nun wirklich keiner was dafür. Aber gut, für mich war das alles machbar und wenn ich wirklich mal einen persönlichen Termin hatte und drei Tage vorher Bescheid gesagt hatte, dann wurde das berücksichtigt.

Meine Haut wurde ganz schön strapaziert. Am Hals im Bereich der Lymphknoten wurde sie rot. Bis zur 27. Bestrahlung ging alles gut. Ich dachte: Das bekommst du hin. Noch sechsmal. Das hält die Haut aus. Aber dann nach der 28. Bestrahlung, die hat so richtig meiner Haut am Hals den Rest gegeben. Es bildeten sich kleine Brandblasen, es tat höllisch weh. Ich ging in die Apotheke und holte mir dort Rat. Man gab mir einen Kühlungsschaum für Sonnenbrand. Keine Chance. Die Brandblasen gingen auf und ich hatte offene Stellen am Hals. Und das alles am Wochenende. Am Montag, bevor ich mich habe bestrahlen lassen, fragte ich nach einem Arzt. Eine Ärztin schaute es sich an. Sie fand das alles nicht so schlimm. Ist halt so. Sie nannte mir eine Salbe und gab mir noch einige Verhaltensmaßregeln. Gott sei Dank, wurde ab diesem Tag der Bereich sowieso nicht mehr bestrahlt. Nur noch der linke Oberkörper.

Nun hatte ich gestern also meine letzte Bestrahlung und das Abschlussgespräch in der Strahlenklinik. 33 Bestrahlungen, 6 1/2 Wochen, vorbei. Aufatmen. Ein paar Stunden später mein Abschlussgespräch bei der Ärztin der onkologischen Praxis. Nach der Begrüßung ihr erster Satz:

Sie sind wieder gesund.

Jetzt heißt es, alle drei Monate zur Nachsorge. Im Moment warte ich auf den Termin der Anschlussheilbehandlung. Dass es nach Bad Lippspringe geht weiß ich. Die Klinik muss mir nur noch das Datum mitteilen. Danach werde ich wohl wieder fitter sein und mein Alltag hat mich wieder.

Pass auf dich auf und bleib gesund

Gudrun

Share on facebook
Facebook
Share on google
Google+
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on pinterest
Pinterest

Schreibe einen Kommentar