Du meinst, nichts zu tun sei keine Kunst? Ich bin durch eine Blogger-Kollegin auf dieses Thema aufmerksam geworden und habe mir dazu so meine Gedanken gemacht. Ich bin gespannt, was du sagst, wenn du den Beitrag gelesen hast.
Wann hast du das letzte Mal wirklich nichts getan? Also wirklich nichts. Rein gar nichts. Nicht gelesen. Nicht auf dein Handy geschaut. Keine Serie geschaut. Nicht aufgeräumt, geplant oder mal eben schnell etwas erledigt.
Einfach nichts.
Hast du es einmal ausprobiert? Allein die Vorstellung fühlt sich doch komisch an, oder? Fast unangenehm. Als müsste man sich dafür entschuldigen. In unserer Welt wird „nichts tun“ schnell mit Langeweile verbunden. Im schlimmsten Fall sogar mit Faulheit. Wir sind es gewohnt, unsere Zeit mit Aufgaben, Informationen, Unterhaltung und Ablenkung zu füllen.
Ich kann mich an eine Situation erinnern, die mir meine Tochter einmal geschildert hat. Sie war damals 21 Jahre alt und arbeitete als Hotelfachfrau. An einem Abend fand dort eine große Veranstaltung statt. Die Gäste hatten gut gegessen und gingen langsam zum gemütlichen Teil des Abends über. Alle hatten ein Getränk, und drei ihrer Kolleginnen und Kollegen gingen nach draußen, um eine Zigarette zu rauchen. Sie machten also eine Pause.
Meine Tochter, Nichtraucherin, stellte sich dazu und sie unterhielten sich. Es dauerte nicht lange, da kam der Vorgesetzte dazu und fragte sie, ob sie nichts zu tun hätte. Nicht die anderen. Nur sie wurde angesprochen.
Mal ganz abgesehen davon, dass ich es als Diskriminierung empfinde, dass nur sie angesprochen wurde, zeigt dieses Beispiel deutlich: Nichts zu tun wird schnell mit Langeweile oder sogar Faulheit gleichgesetzt.
Wenn wir immer beschäftigt sind
Der Tag beginnt oft mit einem Blick aufs Handy. Ich nehme mich davon nicht aus. Arbeit, Gespräche, Einkaufen, Haushalt. Und wenn dann endlich einmal Zeit ist, wird sie wieder gefüllt mit einer Serie, mit Social Media oder mit irgendeiner Aufgabe, die man schon längst erledigen wollte. Stillstand fühlt sich fast falsch an. Dabei braucht unser Geist genau das: Raum, in dem einmal nichts passiert.
Wie ist das, wenn du wirklich nichts machst?
Stell dir vor, du setzt dich ans Fenster. Oder draußen im Garten. Vielleicht auf eine Bank im Park. Du hast nichts dabei. Kein Buch. Kein Handy. Keine Aufgabe. Es ist schwer auszuhalten. Wir sind gewohnt, immer etwas dabei zu haben, womit wir uns beschäftigen können.
Doch dann passiert etwas Interessantes. Dein Kopf arbeitet weiter. Die Gedanken springen hin und her: „Ich müsste noch …“ Oder: „Ach stimmt, morgen …“ Oder: „Das darf ich nicht vergessen …“ Doch wenn du sitzen bleibst, merkst du irgendwann, wie sich die Gedanken verändern. Du nimmst Dinge wahr, die sonst untergehen: Geräusche werden deutlicher, das Licht auf den Blättern, der Wind, vielleicht das Lachen von Kindern in der Ferne.
Nichts tun ist nicht leer
Nichts zu tun bedeutet nicht, dass nichts geschieht. Im Gegenteil. Gedanken ordnen sich, Gefühle dürfen auftauchen und wieder verschwinden. Ideen entstehen oft ganz nebenbei. Man sagt ja auch, dass Kinder manchmal Langeweile haben müssen. Genau daraus entstehen Kreativität und die schönsten Spiele.
Viele kreative Einfälle entstehen in solchen Momenten: beim Spazierengehen, beim aus dem Fenster schauen, beim Sitzen in der Natur. Nicht, weil wir etwas erzwingen, sondern weil wir endlich aufhören, ständig etwas zu tun.
Der Mut zur Pause
Nichts zu tun braucht manchmal Mut. Es bedeutet, die ständige Produktivität loszulassen. Wir sind so daran gewöhnt, unsere Zeit „sinnvoll“ zu nutzen, dass wir vergessen haben, wie wertvoll scheinbar nutzlose Momente sind. Und genau diese Momente schenken uns etwas, das wir sonst selten finden: Leichtigkeit. Wenn wir nichts müssen, entsteht ein Gefühl von Freiheit. Der Tag wird nicht mehr nur von Aufgaben bestimmt, sondern von Augenblicken.
Vielleicht probierst du es einmal aus
Setz dich heute für zehn Minuten irgendwo hin. Ans Fenster, auf eine Bank oder in den Garten. Lass dein Handy im Haus. Nimm nichts mit. Keine Aufgabe. Kein Ziel.
Schau einfach nur.
Vielleicht fühlst du dich zuerst unruhig. Das ist ganz normal. Bleib trotzdem sitzen. Und vielleicht merkst du nach einer Weile, wie viel in diesem scheinbaren „Nichts“ steckt. Überraschend viel. Ruhe. Gedanken. Und ein kleines Stück Leichtigkeit.
Und falls du bis hierhin gelesen hast und denkst, diesen Text habe jemand geschrieben, der das ständig praktiziert und genau weiß, wie es geht – weit gefehlt.
Ich habe ja schon gesagt, dass ich durch eine Blogger-Kollegin auf dieses Thema gekommen bin. Mir geht es nicht anders als dir. Auch ich werde in den nächsten Wochen immer wieder versuchen, bewusst „nichts“ zu tun. Die Stille aushalten. Und zu schauen, was passiert.
Bist du dabei?
Liebe Grüße
Gudrun
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6 Kommentare
Da bin ich ganz bei dir liebe Gudrun, richtig und wahrhaftig nichts tun ist unheimlich schwer. Gelingt mir mal besser, mal schlechter, aber schon gar nicht auf Kommando. Am besten runterkommen kann ich beim gehen, da wird der Kopf leer und manchmal komme ich dann irgendwo an, und frage mich, wie bin ich an diesen Ort gekommen. Aber das zählt ja nicht zu nichts tun. Ich gehe ja. Herzliche Grüße, Sigi
Liebee Sigi,
ich finde auch, jeder muss das für sich entscheiden. Wenn du beim Gehen gut runter kommst, dann ist das doch wunderbar. Da tust du ja eigentlich auch nichts. Kein Buch, keine Einkaufslist, kein Handy. Einfach nur die Ruhe. Natur. Schauen. So mache ich es auch.
Hab eine schöne Zeit und liebe Grüße
Hallo Gudrun,
ich musste musste bei deinem Beitrag etwas schmunzeln.
Die Situation, die Anke als Nichtraucherin erlebt hat, hat Udo bei der Bundeswehr erlebt. Genau 1:1 und dadurch ist er leider mit dem rauchen angefangen. Aber ich finde das ganz schön diskriminierend.
Gar nichts machen…. Einfach nur hinsetzen, das hat mir mal der Psychologe gesagt, das soll ich machen. 1 Stunde. Horror sage ich Dir. Vor allem, wenn ich es machen soll. Ich schaffe es schon,mich einfach mal auf den Balkon zu setzen und Frieda anzusehen. Da geben meine Gedanken und mein Kopfkarusell auch mal ruhe. Ansonsten ist es oft zu schlimm. Aber das muss man auch nicht. Ich habe schon mehrfach gelesen, das jeder sein eignes herausfinden muss. Das hat ein Psychologe in einem Podcast gesagt. Für die einen ist es das hinsetzen, für die anderen der Sport, das die Gedanken aus dem Karusell kommen. Ich bin definitiv der Mensch Sport. Am besten geht das bei mir beim Nordic walken oder beim Fahrradfahren. Da bekommt der Kopf mehr Ruhe, weil ich mich auf die Natur konzentriere.
Aber Danke das Du so ein Thema aufgenommen hast.
Liebe Grüße
Elke von einfachelke.de
Hallo Elke, also 1 Stunde, das finde ich schon sehr lange. Ich würde langsam anfangen. Aber du bist ja auch so viel in der Natur. Auch wenn du da etwas tust, sprich Nordic Walking, tut das doch auch schon gut. Da kann man doch bestimmt auch abschalten, oder?
Liebe Grüße
Liebe Gudrun,
es ist für viele tatsächlich eine Kunst und sich diese anzueignen. Dafür tut es so gut und man übt sich gleichzeitig in Achtsamkeit. Im Hier und Jetzt sein ist wirklich toll.
Liebe Grüße!
Ich glaube, es ist auch eine Übungssache. Bei mir klappt es nicht immer.
Liebe Grüße