Können wir von den Französinnen wirklich etwas lernen?

Du weißt, wie sehr ich Frankreich liebe. Das lässt sich auch an meinem neuen Roman „Au revoir und tschüss“ erkennen. Alles, was mit Frankreich zu tun hat, springt mir sofort ins Auge.

Vor einigen Monaten saß ich beim Friseur im Wartebereich und las in einer Frauenzeitschrift die Überschrift: „7 Dinge, die wir von Französinnen lernen können“. Da die Zeit knapp war, fotografierte ich mir den Beitrag mit dem Handy ab, um ihn später in Ruhe zu lesen. Zu Hause habe ich mir dann tatsächlich die Zeit genommen. Und ehrlich gesagt: Ich fand den Artikel ziemlich klischeehaft.

Wenn es um Stil, Lebensart und Genuss geht, heißt es schnell: „Die Französinnen können es einfach besser.“ Nur zum Verständnis: Ich spreche hier bewusst von Französinnen, weil auch der Zeitungsartikel ausschließlich von Frauen sprach.

Die Französinnen gelten als elegant, essen mit Genuss, bleiben trotzdem schlank und wirken selbstbewusster als deutsche Frauen?

Ich war bestimmt schon dreißigmal in Frankreich – in Paris, Nîmes, Avignon, Brest, Bordeaux und Uzès. Aber auch in kleinen Städten und auf dem Land.

Frankreich ist nicht nur Paris

Frankreich ist groß. Und wer in dem Land durch Städte spaziert, merkt schnell: Auch dort laufen ganz normale Frauen herum. Frauen mit Einkaufstaschen, praktischen Schuhen, Jeans und T-Shirt. Die wenigsten Französinnen werden sich unter der Woche „auch mal“ ein Glas Champagner gönnen. Laut dem Zeitungsbeitrag macht das die Französin. Und auch sie heften sich nicht jeden Tag auffällige Broschen an oder tragen spektakuläre Ketten.

Was ich als Urlauberin allerdings nicht verhehlen kann: Ich liebe es, in Frankreich essen zu gehen. Das Essen wird dort regelrecht zelebriert. Man lässt sich Zeit. Der Stellenwert, den das gemeinsame Essen hat, ist ein anderer als bei uns. Das bedeutet aber nicht automatisch Luxus.

Meine Tochter war vor vielen Jahren in der 8. Klasse als Austauschschülerin in Frankreich. Die Gastfamilie lebte ländlich. Natürlich gab es zum Abendessen ein Drei-Gänge-Menü. Kling beeindruckend, oder? Die Vorspeise bestand aus einer Scheibe rohem Schinken. Als meine Tochter sagte, dass sie nur gekochten Schinken mag, wurde sie kurz erstaunt angeschaut … Und der Schinken kam kurzerhand in die Pfanne. Nach dem Hauptgang gab es das Dessert: einen Joghurt aus dem Kühlregal.

Auch Französinnen arbeiten Vollzeit, pendeln, kümmern sich um Familie und Haushalt. Schon immer. Genau wie in Deutschland.

Die Sonntag gehören der Familie

Was mir jedoch immer wieder auffällt: In vielen französischen Familien haben die Sonntage noch einen besonderen Stellenwert. Sie gehören der Familie.

Oft trifft man sich schon mittags. Kinder, Eltern, Großeltern – manchmal sogar Tanten und Onkel. Man sitzt zusammen, redet, lacht und isst. Das Essen muss dabei gar nicht aufwendig sein. Entscheidend ist die Zeit, die man miteinander verbringt.

Schick oder praktisch?

Warum wird eigentlich immer wieder behauptet, Französinnen seien besonders schick? Sind deutsche Frauen es nicht?

Wenn wir nach München, Hamburg oder Düsseldorf schauen, sehen wir natürlich viele gut gekleidete Frauen. Aber auch in kleineren Städten und auf dem Land achten viele Frauen auf ihren Stil. Ganz so, als würden wir hier nur Baumwollschlüpfer und Tennissocken tragen, ist es nun wirklich nicht.

Was können Französinnen noch besser?

Weitere Punkte waren: Kind und Karriere, mehr Egoismus, das Leben ist schön, das eigene Ego und Nein-sagen mit Charme. Dazu schreibe ich mal nichts. Aber ich habe eine Meinung.

Können wir also noch etwas lernen?

Vielleicht geht es aber auch nicht um Mode oder aufwendige Menüs. Vielleicht geht es auch um 

  • weniger Perfektionismus (der uns Deutschen ja gern nachgesagt wird)
  • mehr Gelassenheit im Alltag (zugegeben, das fällt mir manchmal auch schwer)
  • bewusster genießen, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist (das kann ich)
  • sich Zeit füreinander nehmen (das ebenfalls)

Viele Französinnen wirken vielleicht deshalb so souverän, weil sie den kleinen Momenten mehr Bedeutung geben.

Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass auch Frankreich seine Herausforderfungen hat: steigende Preise, Arbeitsstress, wirtschaftliche Sorgen. Viele Familien müssen genauso rechnen wie wir. Das Bild vom französischen Lebensstil erscheint mir deshalb oft etwas einseitig.

Ich finde ...

wir müssen uns nicht mit Französinnen vergleichen. Und wir müssen auch nicht versuchen, ihren Stil oder ihre Lebensart zu kopieren. Wir müssen unseren Stil und unsere Lebensart finden. Vielleicht reicht es schon, den Alltag manchmal etwas gelassener zu nehmen – und zwischendurch bewusst zu genießen.

Liebe Grüße

Gudrun

Und wenn du Frankreich auch so liebst und eintauchen möchtest, dann wäre vielleicht mein neues Buch etwas für dich. „Au revoir und tschüss“ erscheint am 23. Juni 2026.

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Titelfoto: StockSnap auf Pixabay

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