Wo liegt dein Paradies?

Meistens ist es doch so, dass wir bei anderen alles schöner finden. Da ist das Haus oder die Wohnung von…schicker, der Garten von…ist schöner und gepflegter, der Wald ist viel grüner und das Leben in…ist viel einfacher. Warum finden wir es überall schöner, nur das, was vor unserer Haustür liegt, das sehen wir nicht. Ich gebe zu, manchmal geht es mir auch so.

Mein Paradies

Vor ein paar Tagen habe ich mir mal wieder vor Augen führen müssen, wie schön WIR doch leben. Ich bin früh morgens vor die Haustür getreten, die Luft war schon lau und frühlingshaft, die ersten Sonnenstrahlen wärmten meine Haut. Von dem kleinen Sitzplatz ganz hinten im Garten habe ich einen wunderbaren Blick über 800 m2 Rasen, Obst und Gemüse.

Auf diesem lauschigen Plätzchen trinke ich im Sommer gern meinen Kaffee. Die Vögel zwitschern und ich schaue auf die kleinen frischen Gemüsepflanzen, sehe die Johannisbeerbüsche, die sich unter der Last der Früchte biegen, die Bohnen, die vorwitzig ihre ersten Triebe aus der Erde strecken und den alten Apfelbaum.

Aufstand im Paradies

Es gibt aber auch den Moment wo ich mich frage, wozu das alles und am liebsten nur Rasen hätte. Die Tauben fressen zum dritten Mal in diesem Jahr die frische Petersilie ab, auch wenn sie mit einem Gitter vor den Vielfraßen geschützt ist. Irgendwie schaffen sie es trotzdem.

Von den frischen Blumenpflanzen, die ich hinter dem Sitzplatz in die Pflanzsteine gesetzt habe, ragten nach zwei Tagen nur noch kümmerliche Stängel in den Himmel.

Der Feldhase, der uns jedes Jahr vom gegenüberliegenden Acker besucht und dem unsere Kohlrabipflanzen so gut schmecken, wird sich wundern, auch die sind in diesem Jahr vor ihm geschützt. HOFFENTLICH.

Woher die Schnecken wissen, dass in unserem Hochbeet Salat wächst, das weiß ich nicht, aber sie finden den Weg da hinauf.

Meine englischen Rosen waren in diesem Jahr von den Rosenblattrollwespen befallen. Dass es diese Art von Ungeziefer gibt war mir neu. Aber auch ich lerne immer noch gern dazu. Alle Blätter, die befallen waren mussten ab, damit die Krankheit nicht auf die gesunden übergeht.

Da zweifele ich dann manchmal schon. Mit der Petersilie muss ich mir was einfallen  lassen. Rosmarin, Zitronenthymian und Schnittlauch mögen Tauben nicht, das habe ich schon festgestellt. Dann werde ich anstatt Blumen eben Kräuter in die Pflanzsteine setzen und mich von dem  Duft betören lassen. Müssen ja nicht unbedingt Blumen sein.

Zwischendurch huscht mir der Gedanke durch den Kopf, dass ich für zwei Personen das Obst und Gemüse auch im Supermarkt kaufen kann. Aber dann bin ich doch froh, dass ich weiß, dass es aus unserem Garten kommt und nicht gespritzt oder anderweitig behandelt ist.

Und wenn ich dann wieder auf meinen versteckten Platz ganz hinten im Garten sitze, den Vögeln zuhöre, der Duft meiner englischen Rosen zu mir herüberzieht, der mit dem Duft der Kräuter verschmilzt und das Rotschwänzchen mit einem Regenwurm im Rasen Tauziehen veranstaltet, dann atme ich einmal tief durch und fühle mich wie im Paradies.

Es muss nicht Bali, die Malediven oder sonst ein exotisches Land sein. Es kann nur ein klitzekleines Gartenstück sein, eine Hängematte zwischen zwei Bäumen oder einem Gartenstuhl. Manch einer hat vielleicht einen liebevoll gestalteten Schrebergarten, in den er sich aus seiner Wohnung zurückziehen kann. Auch ein Balkon kann mit mediterranen Kräutern und einem bunten Kissen auf den Balkonstühlen gemütlich zurecht gemacht werden.

So hat jeder sein eigenes kleines Paradies, in dem er ausspannen und auftanken, ein Buch lesen oder nur mal fünf Minuten die Augen schließen kann.

Wo liegt dein Paradies? Weit weg, irgendwo in der Ferne oder gleich vor deiner Haustür?

Liebe Grüße

Gudrun

 

* * *

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16 Responses

  1. Liebe Gudrun,
    ja, da liegen wohl Freud und Leid des Gärtnerns nah beieinander, aber das könnte man ja irgendwie über alle Bereiche des Lebens sagen, also ist so ein Garten eine gute Metapher… das Leben ist ja auch wunderschön, aber Rollwespen, Schnecken oder Tauben können einen immer den Tag vermiesen…! :-)))
    Ich kann mir aber vorstellen, dass es auch Spaß machen kann, sich diesen Herausforderungen zu stellen, dass man es auch so sehen kann. Wie du z.B. statt Blumen Kräuter pflanzt oder mit Draht deine zarten Pflänzchen schützt, also eine Lösung findest. Und dann macht es doch gleich doppelt so viel Spaß, entspannt auf der Bank Kaffee zu trinken…?
    Deine englischen Rosen liebe ich sehr! Das sind auch meine Lieblingsrosen, weil sie so üppig gefüllt sind!
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag (im Garten…?),
    Maren

    1. Liebe Maren, ja, ganz richtig: Freud und Leid des Gärtners. 🙂 Nein, ich will mich auch nicht beklagen. Es ist schon schön, den Garten nach der Arbeit auch genießen zu können.
      Liebe grüße und eine schöne sonnige Woche
      Gudrun

  2. Liebe Gudrun,
    mein Paradies liegt im Herzen und immer irgendwo anders, für mich sind es die Momente mit schönen Begegnungen, die das Paradies ausmachen. Manchmal bleibe ich auf dem Weg zum Briefkasten in einer kleinen Espressobar hängen und möchte dann in dem Moment nirgends anders sein. Bin ich mit meinen Herzensmenschen zusammen, ist mir der Ort auch egal.

    Und klar wir haben auch unser kleines Sommerparadies, einen Boho-Balkon, der dieses Jahr hätte renoviert werden müssen, aber wenn ich jetzt (ich sitze gerade in dem Paradies) auf die abgeblätterten weißen Dielen schaue, denke ich mir, schön sind die anzuschauen, die haben viel erlebt mit uns, warum nicht noch ein Jahr so lassen.

    Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag Abend
    Sigi

    1. Liebe Sigi, ja jeder hat sein eigenes Paradies und es muss ja auch nicht nur eins sein. Der Ort, an dem wir uns in dem einen besonderen Moment am wohlsten fühlen, das IST das Paradies. Ich wünsche dir ganz viele und besondere.
      Liebe Grüße
      Gudrun

  3. oh ja, das kann schon ganz schön Ärgern, wenn sich die Tiere die jungen Pflänzchen schnappen. Ich hoffe das Gitter hält die Tiere nun davon ab. Aber in der Regel überwiegen die schönen Erlebnisse im Garten doch meistens.
    Mein Paradies liegt ganz klar vor meiner Haustüre. Auch wenn die Zaunwinde und der kriechende Hahnenfuss mir manchmal zusätzliche Arbeitsstunden im Garten schenken ;o)…. Ich liebe den Duft der vielen, pflegeleichten Kräutern und Wildpflanzen in unserem Garten, könnte mir gar nicht vorstellen, jemals ohne einen Garten leben zu können. Dann wäre ich bestimmt ganz viele Stunden draussen im Wald oder in Parks unterwegs.
    Liebe Grüsse
    Esther

    1. Liebe Esther, aber bloß nicht so lange ärgern, das vermiest ja nur die gute Laune und Zufriedenheit. Ich bin ansonsten ganz glücklich, diesen Garten zu haben.
      Herzliche Grüße
      Gudrun

  4. Egal wo ich mich auf der Welt gerade befinde, ist mein Paradies immer dort, wo ich mich zuhause fühle und mich mit den Menschen umgeben darf, die mir gut tun. Ja, mein Haus ist AUCH mein persönliches ”Paradies”!
    Deinem Garten, scheint sehr gemütlich zu sein! Wer eine schöne Aussicht hat, sollte sie genießen. Ich setze mich jetzt mit meinem Cappu auf die Terrasse und tu genau das! 😉
    Liebe Grüße,
    Claudia

    1. Liebe Claudia,
      so geht es mir auch. Ich habe in meinen Urlauben schon so viele Paradiese kennenlernen dürfen.
      Einen schönen Wochenstart
      Gudrun

  5. Oh toll, meine Eltern haben auch so einen schönen Garten.
    Mein Paradies liegt an einer ganz bestimmten Stelle in Dänemark :).
    Ich wünsche dir einen guten Start in die neue Woche!

    1. Dänemark ist auch toll, Gkückwunsch zu deinem Paradies. Aber warum soll man nicht mehrere Paradiese haben, überall da, wo man sich wohlfühlt.
      Liebe Grüße
      Gudrun

  6. Ich kann dich absolut verstehen! Ich reise zwar sehr gerne, aber ich genieße mindestens genauso sehr die Heimat und den Garten. Bei uns ist es zwar kein Feldhase, der vorbei kommt, aber im Teich hat sich ein Frosch angesiedelt und wir finden es immer wieder amüsant den zu beobachten.

    1. Ein Frosch? 😉 Eine Bekannte von mir hatte im letzten Jahr 30 Frösche. 😮 Aber ein Garten ist schon schön.
      Liebe Grüße
      Gudrun

  7. Liebe Gudrun,

    gerade eben habe ich deinen Blog entdeckt und mich haben deine vielen Sätze zum Wochenanfang sehr angesprochen.
    Danke dafür!

    Die schönen Fotos deines Gartens auch! Er ist so super gepflegt und schon schaut mich das eine oder andere Unkraut in meinem Garten feinselig an, es ahnt, morgen wird es wohl ausgerupft werden (oder übermorgen;)).

    Nun bin ich hier auf deiner „Gartenseite“ gelandet und ja, oft habe ich auch diese Gedanken, ich will jetzt nur noch Rasen
    haben und im nächsten Augenblick schaue ich auf meine Pflanzen, die ich teilweise schon über viele Jahre im Garten habe und
    beschließe, sie dürfen bleiben. Wobei ich zugeben muss, manchmal strengt mich die viele Gartenarbeit inzwischen auch sehr an,uff.
    In meinem „Paradies“ gibt es aber auch eine wunderbare Schaukel, wenn ich dann darauf sitze und schaukeln kann, dabei in den Himmel oder auf meine alte Buche schaue, geht es mir wieder besser und die Freude über meinen Garten kehrt zurück.

    Mir geht es da auch so wie dir,eine Tasse Kaffee auf meiner Bank und vielleicht abends mal ein Glas Wein, dazu noch Kerzen und Sterne, dann empfinde ich nur noch pures Glück und große Dankbarkeit.

    Liebe Grüße und eine feine Woche!

    1. Liebe Christel, ich begrüße dich ganz herzlich hier. Ich hoffe, du findest viele Beiträge bei mir, die dich erfreuen. Ja der Garten, einerseits erfreut er mich wenn er so schön aussieht und dann ist es wieder viel Arbeit. Du hast eine Schaukel, das finde ich ja Klasse. Die hätte ich auch gern. Meine Enkelkinder hatten bei uns viele Jahre eine im Apfelbaum. Ich hoffe, dass sie später gerne daran zurücksenden.
      Ich freue mich, wenn du wieder vorbeischaust und hinterlasse gern einen Kommentar. Ich antworte immer, wenn auch nicht sofort.
      Liebe Grüße
      Gudrun

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